Alltragsradverkehr
Neben dem touristischen Radverkehr liegt ein Schwerpunkt der Radverkehrsförderung im Landkreis Lindau (Bodensee) auf dem Alltagsradverkehr. Die Unterschiede zwischen Alltags- und Freizeitradverkehr – aber auch die gemeinsamen Schnittmengen – zeigt das folgende Schaubild:
Aktuell werden im Landkreis Lindau (Bodensee) 8 % aller zurückgelegter Wegstrecken mit dem Fahrrad bewältigt (Stand 2023). Die weiteren Wegstrecken entfallen auf den PKW-Verkehr (70 %), Fußverkehr (14 %) und ÖPNV (8 %).
Das Ziel des Landkreises ist es, den Radverkehrsanteil bis ins Jahr 2033 auf 13 % zu erhöhen. Dies lässt sich insbesondere durch infrastrukturelle Maßnahmen (z. B. Radwegebau) und eine Steigerung der Radverkehrssicherheit erreichen, aber auch durch Kampagnen, die das Radverkehrsklima verbessern.
Ein Auszug der Maßnahmen, die der Landkreis zur Förderung des Radverkehrs umsetzt, ist im Folgenden beschrieben:
Rad- und Alltagsradnetz
Bereits im Jahr 2010 hat der Landkreis Lindau (Bodensee) ein lückenlos beschildertes Freizeitradnetz erarbeitet. Die Ausschilderung erfolgte anhand der Richtlinien der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) durch die grün-weiße Radwegebeschilderung.
Als Bestandteil einer nachhaltigen Mobilitätsplanung und auf Grundlage des Radverkehrskonzepts des Landkreises wurde im Jahr 2021 gemeinsam mit allen Kreiskommunen darüber hinaus ein landkreisweites Alltagsradnetz abgestimmt.
Leitgedanke des Alltagsradnetzes ist es, wichtige Quell- und Zielorte des Alltagsverkehrs so zu verbinden, dass es den Bewohnern ermöglicht wird, das Fahrrad anstelle von Verkehrsmitteln des motorisierten Individualverkehrs für ihr Mobilitätsverhalten zu verwenden. Das bedeutet, dass die Radverbindungen möglichst schnell und direkt zwischen den anvisierten Orten verlaufen sollen. Zudem ist Asphalt als Bodenbelag anzustreben. Damit unterscheiden sich die Ansprüche an den Alltagsradverkehr deutlich von jenen eines Freizeitradfahrers.
Die Quell- und Zielorte, die über die genannten Kriterien miteinander verbunden werden, sind die Verwaltungssitze der einzelnen Kommunen, ebenso Schnittstellen zum ÖPNV (Bahnhöfe, größere Busstationen), Freizeiteinrichtungen (Schwimmbäder, Sportanlagen etc.) sowie große Arbeitgeber, Geschäfte, Schulen und öffentliche Einrichtungen.
Das Alltagsradnetz beinhaltet einerseits bereits bestehende und ausgeschilderte Verbindungen im Radnetz des Landkreises, die für den Alltagsradverkehr relevant und geeignet sind. Darüber hinaus wurde eine Vielzahl von Netzlücken und Wunschlinien identifiziert, die ebenso im Alltagsradnetz vermerkt sind. Zudem zeigt das Alltagsnetz aktuell in Planung oder Bau befindliche Radwege an, wenn diese alltagsrelevant sind.
Sämtliche Verbindungen des Alltagsradnetzes wurden nach ihrer Bedeutsamkeit priorisiert und in Hierarchiestufen eingeteilt (Regionale Hauptroute, Regionale Route, Basisnetz, Untergeordnete Ergänzungen). Diese Klassifizierung kann als Entscheidungsgrundlage dienen, wann und mit welchem Standard Radwege im Landkreis ausgebaut werden sollen. Sie verdeutlicht ebenfalls, welche Netzlücken prioritär zu schließen sind, wenn der Grunderwerb erfolgreich ist.
Eine Übersicht über das Alltagsradnetz finden Sie hier: Übersichtskarte Alltagsradnetz Landkreis Lindau (Bodensee)
Das gesamte, aktuell bereits ausgeschilderte Radnetz zeigt die folgende Karte: Übersichtskarte Freizeitradnetz Landkreis Lindau (Bodensee)
Service für den Radverkehr - E-Bike-Ladepunkte und Radservicestationen
Weil nicht immer alles glatt läuft, gibt es in den Kommunen des Landkreises Lindau (Bodensee) einige Serviceangebote zum Radverkehr:
- Wenn der Akku des E-Bikes oder Pedelecs vorzeitig zur Neige geht, lässt sich dieser an aktuell 21 öffentlichen E-Bike-Ladestationen innerhalb des Landkreises wieder aufladen.
- Insgesamt 18 Radservicestationen mit integrierter Luftpumpe und Werkzeug stehen im Landkreisgebiet zur Verfügung, um selbstständig kleinere Reparaturen am Fahrrad vorzunehmen oder Luft in den Reifen nachzupumpen.
Eine Übersicht über die Standorte der E-Bike-Ladepunkte und Radservicestationen finden Sie in der Karte der Serviceleistungen Radverkehr.
Die E-Bike-Ladestationen werden zudem im aktuellen Freizeitberater in der Rubrik „sportlich aktiv – Radfahren“ aufgelistet
Fahrradmitnahme im ÖPNV
Der Landkreis Lindau (Bodensee) ist Teil des bodo-Verkehrsverbunds. Die Fahrradmitnahme in den Verkehrsmitteln des bodo ist wie folgt geregelt:
Mitnahme in der Bahn
Auf allen Bahnstrecken im Landkreis dürfen Fahrräder mitgenommen werden - jedoch gibt es Unterschiede bei den Kosten des Fahrradtransports:
- Auf der Strecke Friedrichshafen – Kressbronn – Wasserburg – Lindau ist die Fahrradmitnahme in Nahverkehrszügen kostenfrei, mit Ausnahme des morgendlichen Berufsverkehrs: montags bis freitags an Werktagen, jeweils zwischen 6.00 und 9.00 Uhr, muss ein Ticket für den Radtransport gelöst werden.
- Die gleiche Regelung gilt für den Nahverkehr auf der Strecke Wangen – Hergatz – Lindau.
- Immer kostenpflichtig ist hingegen die Fahrradmitnahme in den Zügen der DB Regio Bayern auf der Strecke Oberstaufen – Röthenbach – Heimenkirch – Hergatz – Lindau.
Fahrradfahrscheine können, wenn benötigt, an den Automaten, im personenbedienten Verkauf oder als Handyticket erworben werden. Im bodo-Verkehrsverbund ist die beste Wahl oft der Fahrrad-Einzelfahrschein zum Preis von derzeit 4,50 € (Stand März 2026). Er gilt für die einfache Fahrradmitnahme vom Start- zum Zielbahnhof. Wenn sowohl Hin- als auch Rückfahrt mit der Bahn zurückgelegt werden sollen, ist in Bayern die Fahrrad-Tageskarte Bayern mit aktuell 7,50 € günstiger. Zu bestimmten Zeiten ist eine kostenreduzierte Beförderung des Fahrrads mit dem BaSTi (R) Ticket zu nur einem Euro möglich.
Mitnahme in Regionalbussen
Fahrräder können in den Regionalbussen des Landkreises Lindau (Bodensee), deren Linienbezeichnung aus zwei Ziffern besteht (Linien 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 20, 21, 22), kostenlos mitgenommen werden: an Schultagen ab 8.30 Uhr, ansonsten ganztags. Pro Bus werden maximal zwei Fahrräder mitbefördert. Pedelecs, E-Bikes, Fahrradanhänger und Tandems sind jedoch ausgeschlossen.
Im restlichen bodo-Verkehrsverbund ist die Fahrradmitnahme im Linienbusverkehr überwiegend nicht möglich.
Generell gilt: Die Fahrradmitnahme ist nur im Rahmen verfügbarer Platzkapazitäten möglich, eine Mitnahmegarantie kann aus Sicherheitsgründen nicht gegeben werden. Ein Anspruch auf Beförderung besteht somit nicht.
Detaillierte Infos zum ÖPNV, zur Tarifgestaltung und zu aktuellen Meldungen können der Webseite des bodo-Verkehrsverbunds entnommen werden: www.bodo.de
Mitmachen: Radverkehrsaktionen im Landkreis Lindau (Bodensee)
STADTRADELN
Der Landkreis Lindau (Bodensee) nimmt jährlich an der bundesweiten Radverkehrskampagne STADTRADELN teil. Ziel der Kampagne ist es, in einem dreiwöchigen Aktionszeitraum möglichst viele Wegstrecken (im Alltags- und Freizeitverhalten) mit dem Fahrrad zurückzulegen – und somit den Radverkehr zu fördern.
Die geradelten Kilometer sammelt man für ein Team, zum Beispiel das Team des Arbeitgebers, der Schulklasse, des Vereins oder der Familie. Der Wettbewerbscharakter erhöht die Motivation – und hat zum Vorteil, dass die fahrradaktivsten Teams in unterschiedlichen Kategorien zum Ende der Aktion mit tollen Preisen prämiert werden.
Das STADTRADELN findet im Landkreis Lindau (Bodensee) zumeist im Frühsommer statt. Teilnehmen können alle Personen, die im Landkreis Lindau (Bodensee) wohnen, arbeiten, zur Schule gehen oder einen Verein besuchen. Alle Infos und den exakten Aktionszeitraum finden Sie ab April auf der lokalen STADTRADELN-Webseite des Landkreises.
Die Teilnahme am STADTRADELN ist kostenlos.
Radsicherheitscheck
Zum Start der Fahrradsaison im Frühling lohnt es sich, dem Fahrrad einen umfassenden Prüfblick zu unterziehen: Funktionieren Bremsen, Lichter und Schaltung noch einwandfrei?
Einmal jährlich, meist im April, bietet der Landkreis Lindau (Bodensee) einen kostenlosen, öffentlichen Radsicherheitscheck auf dem Therese-von-Bayern-Platz in Lindau an. Ein Expertenteam prüft dabei alle sicherheitsrelevanten Komponenten Ihres Fahrrads auf Funktionstüchtigkeit und nimmt bei Bedarf kleinere Reparaturen kostenfrei durch.
Eine Anmeldung ist nicht nötig. Der Termin des jährlichen Radsicherheitschecks wird zeitnah vor der Veranstaltung über die Webseite des Landkreises (Rubrik „Aktuelles“) bekannt gegeben.
Ganzjährig mit dem Fahrrad unterwegs - Winterdienstplan
Auch bei winterlichen Verhältnissen greifen immer mehr Menschen zum Fahrrad, um umweltfreundlich unterwegs zu sein. Um dies zu ermöglichen, wird auch ein Großteil der straßenbegleitenden und eigenständigen Radwege im Landkreis Lindau (Bodensee) von Schnee und Eis geräumt.
Der Winterdienst auf Radwegen wird im Landkreis durch die Kreiskommunen durchgeführt. Die Kommunen können dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen, welche Routen prioritär zu räumen sind – etwa, weil dort mit einer höheren Auslastung durch den Radverkehr zu rechnen ist. Ziel ist es, insbesondere auf den Hauptrouten des Radnetzes eine durchgängige Räumung zu gewährleisten.
In der Karte des Winterdienstplans ist abgebildet, welche Radwege im Landkreis im Winter geräumt werden. Ersichtlich ist außerdem die zeitliche Priorisierung der Radwege, auf denen eine Räumung erfolgt.
Bitte beachten Sie, dass der Winterdienst immer den aktuellen Witterungsbedingungen unterliegt. Entsprechende Abweichungen vom Winterdienstplan sind dabei möglich.
Ganzjährig mit dem Fahrrad unterwegs - Tipps zum richtigen Verhalten im winterlichen Radverkehr
Um gegen Kälte und widrige Bedingungen gewappnet zu sein, sowie sicher und mit Freude im Winter auf dem Fahrrad unterwegs zu sein, sollte man sich folgende Tipps zu Herzen nehmen:
Mehr Komfort auf dem Fahrrad:
- Das Zwiebelprinzip ist Mittel der Wahl – denn auch bei kalten Temperaturen kommt man nach 10-15 Minuten Radfahren meist ins Schwitzen.
- Deshalb: immer auch Wechselkleidung im Rucksack dabeihaben!
- (Atmungsaktiver) Regenschutz hilft häufig auch gegen Kälte: an Helmregenhülle und Überschuhen prallt kalter Wind ab. Bei Minusgraden führt aber nichts an einer dünnen Mütze unter dem Helm und gefütterten Schuhen vorbei.
- Wo empfindliche Hautschichten nicht von Kleidung bedeckt werden können, hilft eine stark fetthaltige Kältecreme gegen unangenehm stechende Luft.
- Maximalen Komfort bieten kleine mobile Heizkissen, die durch Knicken Wärme freisetzen – in Schuhe oder Handschuhe gepackt, schützen sie die besonders ausgesetzten Körperteile.
Mehr Sicherheit auf dem Fahrrad – Verhalten bei Schnee und Eis:
- Auf ein gutes, nicht abgefahrenes Profil der Reifen achten! Am besten sind dann breite, grobstollige Mäntel, wie man sie von Mountainbikes kennt.
- Spikes an den Reifen sollten nur bei durchgängiger Schneelage verwendet werden, da sie auf trockenem Untergrund sehr schlechte Fahreigenschaften aufweisen und das Sicherheitsrisiko erhöhen.
- Für mehr Bodenhaftung den Reifendruck leicht absenken.
- Den Schwerpunkt des Sattels senken, um mehr seitliche Balance zu halten. Ebenso den Lenker tiefer legen – dadurch erhöht sich der Druck auf das Vorderrad, das somit später ins Rutschen gerät.
- Abrupte Lenkbewegungen vermeiden. In Kurve weder treten noch bremsen. Starkes Bremsen durch vorausschauendes Fahren generell reduzieren – lieber ausrollen lassen.
- Ohne Bremsen kommt man dennoch nicht aus – im Winter sind vor allem Räder mit Scheibenbremsen sinnvoll, da Felgenbremsen bei Schneekontakt leichter zu Ausfällen neigen.
- Wichtig bei Dunkelheit: die richtige Beleuchtung. Nabendynamos oder Stecklichter sind von Vorteil, weil alte Seitenläufer-Dynamos bei Schnee und viel Nässe schnell durchrutschen. Zusätzliche Sicherheit gibt eine Helmleuchte, die dorthin Licht wirft, wohin das Auge blickt (für den Seitenblick wichtig!).
Fahren mit dem E-Bike im Winter:
- Kälte ist der Feind der Batterie: um die Reichweite nicht zu mindern, den Akku immer mit ins warme Büro nehmen.
- Den Akku immer erst laden, wenn sich dieser an die Zimmertemperatur angeglichen hat – andernfalls ist er häufig nicht vollständig aufladbar.
- Während der Fahrt kann eine Neopren-Akkuhülle gegen kältebedingte Leistungsverluste des Akkus helfen.
Mitgliedschaft AGFK Bayern
Seit Januar 2023 ist der Landkreis Lindau (Bodensee) Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern e.V. (AGFK Bayern). Die AGFK Bayern ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel setzt, den Radverkehrsanteil im Rahmen einer umweltfreundlichen Nahmobilität zu erhöhen. Insgesamt 144 Mitgliedskommunen – darunter Städte, Gemeinden und Landkreise – haben sich mittlerweile dem Verein angeschlossen, um die Fahrradfreundlichkeit in ihrer Kommune zu steigern und das anspruchsvolle Prüfverfahren der AGFK zu durchlaufen. Um am Ende dieses Prozesses erfolgreich als „Fahrradfreundliche Kommune“ zertifiziert zu werden, muss ein einheitlicher Kriterienkatalog erfüllt werden, der die unterschiedlichen Säulen der Radverkehrsförderung adressiert: Eine verbesserte Radinfrastruktur, Aufwertung der Radkultur, die Erhöhung der Radverkehrssicherheit und mehr Umweltschutz.
Der Aufnahme des Landkreises Lindau (Bodensee) in die AGFK Bayern ist im September 2022 die sogenannte Vorbereisung vorausgegangen, in der eine Bewertungskommission mit Vertretern aus AGFK, Bayerischem Staatsministerium und ADFC Landesverband in den Landkreis gereist war, um vor Ort den Status Quo der Fahrradfreundlichkeit zu beurteilen. Auf dieser Grundlage wurden Handlungsbedarfe definiert, die bis zur abschließenden Hauptbereisung erfüllt sein müssen, um sich das Prädikat „Fahrradfreundliche Kommune“ zu verdienen. Die Hauptbereisung findet im Herbst 2026 statt.
Aktuelle Baumaßnahmen und Umleitungen im Radnetz:
Vom 15.06.2026 bis 08.10.2026 ist auf der Kreisstraße LI 5 (Bregenzer Straße) der Bahnübergang in Hergatz aufgrund von Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten vollständig gesperrt.
Der Fuß- und Radverkehr wird in dieser Zeit über die Höhenstraße und den Fußgängerüberweg südwestlich des Bahnhofs umgeleitet.
