Medizinische Versorgung im Landkreis Lindau (Bodensee)
Gesundheit ist ein hohes Gut. Jeder von uns möchte im Krankheitsfall die bestmögliche medizinische Versorgung für sich und seine Angehörigen.
Aktuell gibt es bundesweit in der Gesundheitsversorgung strukturelle Veränderungen und nicht nur kleinere Krankenhäuser stehen unter großem Druck. Auch wir im Landkreis Lindau (Bodensee) haben mit der Schließung der Rotkreuzklinik in Lindenberg die Auswirkungen zu spüren bekommen.
Die wichtige Information vorweg: Menschen, die eine stationäre Behandlung brauchen, erhalten diese – auch im Notfall. Dazu haben die benachbarten Kliniken in den vergangenen Monaten und insbesondere nach der Schließung der Rotkreuzklinik ihre Kapazitäten erweitert. Und auch vom Rettungsdienst sind der Landkreisverwaltung aktuell keine Probleme gemeldet worden.
Vor dem Hinblick notwendiger struktureller Veränderungen, einer zunehmenden Ambulantisierung, einer steigenden Spezialisierung und im Angesicht des Fachkräftemangels möchte der Landkreis Lindau gemeinsam mit verschiedenen Akteuren aus Politik und Medizin die Notfall- und Krankenhausversorgung im Landkreis zukunftsfähig aufstellen.
Nachfolgend haben wir alle wichtigen Informationen für Sie zusammengestellt:
Die stationäre Krankenhausversorgung
Nach der Schließung der Rotkreuzklinik in Lindenberg haben die umliegenden Kliniken ihre Bettenkapazitäten – insbesondere in den Notaufnahmen – erhöht. Dennoch kann es dort vereinzelt zu längeren Wartezeiten kommen, da die Behandlung nach Dringlichkeit erfolgt. Ein Teil der Patientinnen und Patienten sucht Notaufnahmen auf, weil ambulante Versorgungsstrukturen oft schwer erreichbar sind oder als überlastet gelten. „Ziel ist es, die Krankenhäuser zu entlasten, indem Patientinnen und Patienten je nach Dringlichkeit in die jeweils passende Versorgungsstruktur geleitet werden. Jeder Notfall wird weiterhin umgehend von Spezialisten behandelt und auch bei geplanten Eingriffen bestehen keine Engpässe“, so Landrat Stegmann.
Aktuell steht das deutsche Krankenhauswesen jedoch unter Druck: Bundesweit geraten immer mehr Häuser in finanzielle Schwierigkeiten. Laut Schätzungen schreiben 80 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen.
Hinzu kommen Personalmangel – viele Beschäftigte der Babyboomer-Generation gehen in Rente – sowie eine zunehmende Ambulantisierung der Medizin. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Kliniken, etwa weil je nach Fachbereich eine Mindestanzahl an Fachärzten vorgehalten werden muss, was insbesondere kleinere Kliniken vor große Herausforderungen stellt. Im Landkreis Lindau sollen ambulante und stationäre Versorgung künftig noch enger verzahnt und beide Strukturen gestärkt werden. Grundlage hierfür sind zwei Gutachten.
Die Fortschreibung des Gutachtens zur stationären Versorgung
Ein Folgegutachten zur stationären Versorgung wurde nun in Auftrag gegeben. Es soll analysieren, wie ambulante und stationäre Angebote zukünftig noch enger verzahnt werden können – immer zum Wohle der Patienten in allen Teilen des Landkreises. Der Landkreis erhofft sich daraus Erkenntnisse, wie die stationäre Krankenhausversorgung zukunftssicher aufgestellt werden kann. „Mir persönlich ist es ein Herzensanliegen, dass wir im Landkreis Lindau auch in Zukunft für alle Generationen eine bestmögliche medizinische Versorgung bieten,“ stellt Landrat Stegmann klar.
Die Ergebnisse des ersten Gutachtens aus dem Herbst 2024 hatten auf kommunaler Ebene breite Zustimmung gefunden. Allerdings lehnte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha eine länderübergreifende Lösung – wie im Gutachten vorgesehen – ab.
Mit der Durchführung des Folgegutachtens - welches wieder durch den Freistaat finanziert wird - wurde erneut das Unternehmen 2perspectives beauftragt. Neben der Asklepios Klinik Lindau ist dabei auch der Klinikverbund Allgäu Partner. Erste Ergebnisse werden im ersten Quartal 2026 erwartet.
Das erste Gutachten zur stationären Versorgung
Im Hinblick auf die zahlreichen Herausforderungen, mit denen die Krankenhäuser bundesweit konfrontiert sind, wurde im Januar 2024 bei der Firma 2perspectives ein Gutachten zur stationären Versorgung im Westallgäu in Auftrag gegeben. Angeregt wurde dieses vom Gesundheitsministerium in Bayern – welches das Gutachten auch finanziert - mit Unterstützung des Sozialministeriums in Baden-Württemberg. Das Gutachten wurde im Einvernehmen mit den Landkreisen Lindau und Ravensburg sowie den drei Krankenhausträgern in der Region - Asklepios Klinik Lindau, Rotkreuzklinik Lindenberg und Oberschwabenklinik – vergeben. Ziel war es konkrete Vorschläge zu entwickeln, wie die stationäre Gesundheitsversorgung im Westallgäu grundlegend neu ausgerichtet werden könnte.
Das Gutachten wurde im Oktober 2024 präsentiert. Es schlägt vor, die stationäre Versorgung an einem zentralen Standort im Raum Hergatz zu konzentrieren. Von hier aus sei eine flächendeckende Versorgung des gesamten Westallgäus am besten möglich. Für diese Option gab es leider eine Absage durch das Land Baden-Württemberg.
Eine Pressemitteilung zur Vorstellung des Gutachtens im Lindauer Kreistag finden Sie hier.
Ein Schreiben vom 13.11.2024 von Landrat Elmar Stegmann an die Mitglieder des Lindauer Kreistags finden Sie hier.
Gutachten zur ambulanten Versorgung
Der Kreistag hat bereits im März 2025 einstimmig beschlossen, 300.000 Euro bereitzustellen, um die ambulante medizinische Versorgung im oberen Landkreis zukunftssicher aufzustellen.
In den vergangenen Monaten hat die Kreisverwaltung gemeinsam mit regionalen Akteuren, Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitswesen sowie dem Beratungsunternehmen 2perspectives intensiv daran gearbeitet, die regionalen Herausforderungen zu konkretisieren und erste Lösungsansätze zu erarbeiten. In der Kreistagssitzung am 24. Juli 2025 hatte das Beraterteam von 2perspectives den Zwischenbericht vorgestellt, der die Workshop-Ergebnisse und erste Empfehlungen zusammenführt.
Landrat Stegmann betonte in dem Prozess die Rolle der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB): „Wir möchten für unsere Bürger eine verlässliche Gesundheitsversorgung, die auch morgen noch leistungsfähig ist. Dafür müssen in den nächsten Monaten alle verantwortlichen Akteure – allen voran die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns – eng eingebunden werden.“
In seiner Oktobersitzung hat der Kreistag das vorgestellt Konzept zur ambulanten Versorgung gutgeheißen und entschieden, für eine erste Umsetzung von Maßnahmen 200.000 Euro im Haushalt 2026 bereitzustellen.
Im Dezember 2025 hat der Kreistag dann einstimmig entschieden, dass der Landkreis nach der Gründung eines kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) durch die vier Gemeinden (Stadt Lindenberg i.A., Markt Scheidegg, Markt Heimenkirch und Markt Weiler-Simmerberg) eine Beitrittserklärung abgeben wird. Außerdem wurde eine Zielvision für eine MVZ-Struktur vorgestellt als ein Ergebnis aus dem Gutachten zur ambulanten Versorgung.
Aktuelle Zielbild eines Medizinischen Versorgungszentrums (Stand 11.12.2025).
Weitere Informationen dazu finden Sie in der aktuellen Pressemitteilung.
Ist die Notfallversorgung im Westallgäu gesichert?
Ja, die Notfallversorgung im Westallgäu ist gesichert und der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Kempten prüft kontinuierlich die Einhaltung der Hilfsfristen.
Die Schließung der Rotkreuzklinik hat vor allem den Standort Lindenberg betroffen. Dennoch war die notärztliche Versorgung seitdem durchgehend zu 100 Prozent sichergestellt. „Die Besetzungsquote war immer erfüllt – das gibt uns Sicherheit“, so Landrat Stegmann. „Wichtig ist, dass die Patientinnen und Patienten innerhalb der notwendigen Frist immer auch in die für ihr Krankheitsbild geeignete Klinik kommen. Das ist derzeit der Fall. Noch nie hatten wir eine so gute rettungsdienstliche Versorgung wie heute“, betonte der Landrat.
Zusätzlicher Rettungswagen (RTW) seit 1. Mai 2025
Seit dem 1. Mai 2025 ist im Landkreis Lindau ein zusätzlicher Rettungswagen (RTW) offiziell im Einsatz. Grundlage für die Erweiterung war ein Gutachten des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement in München, das der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Allgäu (ZRF) im Frühjahr 2024 auf Initiative von Landrat Elmar Stegmann in Auftrag gegeben hatte. Nach der Schließung der Rotkreuzklinik bildeten die ermittelten Daten die Grundlage für erfolgreiche Verhandlungen, um den zusätzlichen RTW im Landkreis zu stationieren.
Der neue RTW wird nicht nur den Landkreis Lindau versorgen, sondern aufgrund des Standorts in Oberreute auch Teile des Oberallgäus abdecken. Das Fahrzeug unterstützt als zweiter Rettungswagen die Rettungswache Lindenberg und ist täglich für elf Stunden am Abrufplatz in Oberreute einsatzbereit. Beginn und Ende der Schicht erfolgen in Lindenberg. Der Betrieb läuft zunächst als Testphase bis mindestens Ende September 2026. Mehr Informationen zum neuen RTW finden Sie hier.
Der Landkreis möchte aktiv den Rettungsdienst stärken.
Aktuell findet eine zunehmende und durch die Krankenhausreform auch forcierte Spezialisierung der Kliniken statt. Angestrebt werden eine höhere Qualität der medizinischen Versorgung der Patienten und die Gewährleistung der Behandlung nach modernsten Methoden. Parallel dazu muss aber auch gewährleistet werden, dass der Patient aufgrund der sich ausdünnenden Krankenhausstruktur nach wie vor in lebensbedrohlichen Lagen medizinisch schnell versorgt werden kann und eine qualifizierte Behandlung erfährt.
Die Mitglieder des Kreisausschusses haben deshalb dem Kreistag empfohlen, eine Resolution zu verabschieden und damit an die Bayerische Staatsregierung und das Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration zu appellieren, die Rettungsfrist neu zu definieren und dadurch den Regelrettungsdienst zu stärken. Den Text der Resolution finden Sie hier.
Als Reaktion auf die Resolution hat der Bayerische Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, Joachim Herrmann, einer umfangreichen Stellungnahme begründet, warum eine Neudefinition bzw. Weiterentwicklung der Hilfsfrist erst mittelfristig diskutiert werden wird.
Die ehrenamtlichen "Helfer vor Ort" werden finanziell unterstützt.
Der Landkreis fördert seit dem Haushaltsjahr 2025 die ehrenamtlichen "Helfer vor Ort"-Gruppen mit jeweils 3.000 Euro. Bereits im Jahr 2024 hat der Landkreis die Gruppen mit eweils 3.000 Euro unterstützt.
An wen wende ich mich, wenn ich einen medizinischen Notfall habe?
Wann Ihnen wer hilft, erklären wir hier:
Sie haben oder eine Person in Ihrem Umfeld hat einen Unfall, eine Vergiftung oder lebensbedrohende Zustände wie beispielsweise Atemstillstand, Herz-Kreislaufstillstand, Schock, starke Blutungen und starke Verbrennungen.
Rettungs- und Notarztdienst - Rufnummer 112
Bitte rufen Sie unverzüglich den Rettungs- und Notarztdienst unter der Rufnummer 112.
Patienten, die Anzeichen einer lebensbedrohlichen Erkrankung haben, sollten immer den Rettungsdienst unter der Rufnummer 112 anrufen und nicht eigenständig eine Notaufnahme aufsuchen, da ansonsten vielleicht wertvolle Zeit verloren wird. Informationen zu Notrufnummern sowie eine Auflistung von lebensbedrohlichen Erkrankungen finden Sie auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums.
Alle Informationen zur Rufnummer 112 in Bayern finden Sie auf der Internetseite des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration.
Sie sind krank und brauchen außerhalb der regulären Sprechzeiten von Arztpraxen medizinische Hilfe:
Kassenärztliche Bereitschaftspraxis und Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst - Rufnummer 116117
Sie können dann eine ärztliche Bereitschaftspraxis aufsuchen oder unter der Rufnummer 116117 den Bereitschaftsdienst kontaktieren. Dies gilt für alle nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen, deren Abklärung aber nicht warten kann, bis eine Arztpraxis wieder geöffnet hat.
KVB-Bereitschaftspraxis an der Asklepios Klinik in Lindau
Friedrichshafener Straße 80a
88131 Lindau (Bodensee)
Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag: 09.00 bis 21.00 Uhr
Mittwoch und Freitag: 16 bis 21.00 Uhr
Montag, Dienstag und Donnerstag geschlossen
Telefon: 116 117
KV-Notfallpraxis am Westallgäu-Klinikum in Wangen
Am Engelberg 29
Öffnungszeiten: täglich 10.00 - 16.00 Uhr
Telefon: 116 117
Zugang über den Haupteingang des Klinikums
Nähere Informationen rund um den Bereitschaftsdienst gibt es auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB).
Wann gehe ich direkt in die Notaufnahme?
Eine Notaufnahme ist immer an ein Krankenhaus angeschlossen. Sie wird in erster Linie vom Rettungsdienst angefahren mit Patienten, die lebensbedrohlich verletzt oder erkrankt sind.
In den letzten Jahren hat die Anzahl der Patienten, die ohne Rettungsdienst, sondern eigenständig eine Notaufnahme aufsuchen, stark zugenommen. Diese Patienten sind aber oftmals in der Notaufnahme nicht richtig aufgehoben, da sie nicht lebensbedrohlich verletzt oder erkrankt sind. In diesem Fall sollten sich die Patienten an den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst wenden.
Es gibt in Deutschland übrigens drei Stufen bei der Notfallversorgung:
Basisnotfallversorgung – Stufe 1:
Erweiterte Notfallversorgung – Stufe 2
Umfassende Notfallversorgung – Stufe 3
Für jede Stufe gibt es entsprechende Vorgaben an die Qualität, die Strukturen, die ein Krankenhaus vorhält, das Fachpersonal sowie an die technische Ausstattung. Diese Vorgaben müssen zwingend erfüllt werden.
Allein für die Basisnotfallversorgung müssen beispielsweise die Fachabteilungen Chirurgie oder Unfallchirurgie und Innere Medizin am Standort vorgehalten werden sowie eine Intensivstation mit mindestens sechs Betten, von denen mindestens drei zur Versorgung beatmeter Patienten ausgestattet sind. Eine Auflistung aller Kriterien und Vorgaben sind hier zu finden.
Was ist eigentlich ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) und haben wir MVZs im Landkreis?
In einem Medizinische Versorgungszentren (MVZ) arbeiten mehrere ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte kooperativ unter einem Dach zusammen. Sie sind dann quasi Angestellte des MVZs und decken verschiedene Fachbereiche ab. MVZs müssen nicht an eine Klinik angeschlossen sein, sind dies aufgrund von Synergieeffekten aber oftmals.
Im Landkreis Lindau gibt es ein Medizinisches Versorgungszentrum:
- Das Medizinische Versorgungszentrum Lindau-Lindenberg, angesiedelt an der Asklepios Klinik in Lindau mit einer Außenstelle in Lindenberg.
Warum wurde die Rotkreuzklinik Lindenberg geschlossen?
Über die in der Trägerschaft der Schwesternschaft München vom Bayerischen Roten Kreuz stehende Rotkreuzklinik in Lindenberg wurde im Sommer 2023 ein Schutzschirmverfahren und im Herbst 2023 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Die Schwesternschaft wollte die Rotkreuzklinik mit einem veränderten Leistungsangebot weiter betreiben. Am 24. Juni wurde dann aber die Liquidation der Klinik über den Insolvenzverwalter bekannt gegeben.
Dazu ein Auszug aus der Pressemitteilung der Rotkreuzklinik vom 24. Juni 2024
"In den vergangenen Monaten sind bereits einige Sanierungsschritte zur konkreten Umsetzung gelangt. Allerdings ist das Planungskonzept in seiner Detailtiefe nicht geeignet, den tatsächlichen Gegebenheiten der Gesundheitsversorgung vor Ort wirtschaftlich standzuhalten. Mitursächlich dafür ist die Krankenhausfinanzierung in ihrer aktuellen Ausgestaltung, die insbesondere für kleinere Häuser nicht ausreicht. Die Schließung der Rotkreuzklinik Lindenberg ist damit auch das Ergebnis veränderter Patientenströme und unzureichender Rahmenbedingungen durch die Krankenhausstrukturreform.“
Die vollständige Pressemitteilung finden Sie auf der Internetseite der Rotkreuzklinik.
Warum hat der Landkreis nicht das Defizit der Rotkreuzklinik pauschal ausgeglichen?
Es hat mehrere Gründe, warum der Landkreis Lindau nicht einfach das Defizit der Rotkreuzklinik ausgleichen konnte:
- Die Probleme der Krankenhäuser sind nicht nur mit Geld zu lösen. Mit Geld kann allenfalls eine Entwicklung hinausgezögert werden, die aufgrund von beispielsweise fehlendem Fachpersonal und einer Weiterentwicklung der Medizin kommen muss.
- Anders als z.B. der Landkreis Ravensburg der Träger des OSK-Verbundes oder die Stadt Friedrichshafen Trägerin des Medizincampus-Bodensee (MCB in Friedrichshafen) ist, handelt es sich bei der Rotkreuzklinik gGmbH um eine rechtlich und wirtschaftlich selbständige Gesellschaft, die unabhängig vom Landkreis betrieben wird. Es ist also kein „Kreiskrankenhaus“ oder eine „Städtische Klinik“.
Ein staatlicher Zuschuss für ein privates Krankenhaus (Trägerin ist die Schwesternschaft München des Bayerischen Roten Kreuzes e.V.) muss wettbewerbsrechtlich geklärt werden. Auch die Asklepios Klinik erhält staatliche Gelder, allerdings im Rahmen eines bayernweiten Programms für die Geburtshilfen, das in ganz Bayern Krankenhäusern zur Verfügung steht. - Der Landkreis hat keinen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit und keinen Einblick in die Geschäftsbücher der Rotkreuzklinik.
Was hatte es mit der Krankenhausmillion auf sich?
Am 25. Januar 2024 hatte der Haushaltsausschuss des Landkreis einstimmig einem Antrag der CSU-Kreistagsfraktion zugestimmt, wonach der Landkreis etwaige Mehrausgaben für die Notfallversorgung der Bevölkerung im Westallgäu mit bis zu 1 Million Euro unterstützen kann. Voraussetzung hierfür war ein detailliertes Konzept mit Finanzplan der Schwesternschaft München des Bayerischen Roten Kreuzes e.V. als Trägerin der Klinik sowie ein Nachweis, wie das Geld verwendet wird.
Warum haben es Krankenhäuser aktuell schwer?
Krankenhausträger sehen sich aktuell bundesweit mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Diese sind:
- Fachkräftemangel: Es fehlen Ärzte und Pflegekräfte.
Diese Situation wird sich aufgrund des Renteneintritts der Babyboomer-Generation weiter verschärfen. - Die apparative Ausstattung der Kliniken ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern erfordert zusätzliches Fachpersonal, das ausgelastet sein muss. Deshalb macht es Sinn, dass sich Kliniken spezialisieren.
- Patienten besuchen vielfach nicht ihr regionales Krankenhaus, sondern ziehen es bei planbaren Eingriffen vor, sich in größeren Krankenhäusern oder Spezialkliniken behandeln zu lassen.
- Bei Notfällen bringt der Rettungsdienst schon heute den Patienten nicht in das nächst gelegene Krankenhaus, sondern in die Klinik, die am besten geeignet ist, das jeweilige Krankheitsbild zu behandeln (gilt insbesondere für die sogenannten Tracer-Diagnosen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Sepsis und andere).
- Kleinere Häuser leiden auch darunter, dass sie bundesrechtlich vorgegebene Mindestmengen (entsprechende Fallzahlen um eine Behandlung überhaupt durchführen zu können) und Pflegepersonaluntergrenzen (der Schlüssel von Patienten pro Pflegekraft) nur schwer einhalten können. Beides sind Vorgaben, die die Qualität der Patientenversorgung gewährleisten sollen, kleine Krankenhäuser aber vor große Herausforderungen stellen.
Hinzukommt, dass die Strukturen, wie wir sie heute kennen, seit Jahrzehnten nahezu unverändert sind, obwohl sich die Medizin stark weiterentwickelt hat. Außerdem wird die Krankenhausreform des Bundes weitere Veränderungen mit sich bringen.
Hat der Landkreis einen Sicherstellungsauftrag?
Zuständig für die Krankenhausplanung und damit für die Ermittelung der Bedarfe sind die Länder. Die Landkreise und kreisfreien Städte sind dann verpflichtet, die stationäre Versorgung nach den gesetzlichen Vorgaben sicherzustellen.
Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention sieht auch bei Wegfall der Rotkreuzklinik die akutstationäre Versorung sichergestellt, da in ausreichender Nähe die Krankenhäuser in Lindau, Wangen, Tettnang und Ravensburg mit den notwendigen Versorgungsangeboten zur Verfügung stehen.
Für die ambulante Versorgung, beispielsweise über ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), haben die Landkreise keinen Sicherstellungsauftrag. Hier ist die Kassenärztliche Vereinigung richtiger Ansprechpartner. Der Landkreis gibt hier im Rahmen seiner Möglichkeiten Unterstützung.
Alle Pressemitteilungen des Landkreises Lindau zu dem Thema
Hier finden Sie Pressemitteilungen des Landkreises Lindau (Bodensee) rund um die Entwicklungen an der Rotkreuzklinik und zur Krankenhausversorgung allgemein.
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