Woche der Wiederbelebung im Landkreis Lindau +++ GesundheitsregionPlus zeigt mit der Aktion „Drück mit!“: Nur Nichtstun ist falsch
Lindau (Bodensee) – Ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand kann jeden treffen - zu Hause, am Arbeitsplatz oder mitten im Alltag. Viele Menschen zögern in einer solchen Situation, weil sie Angst haben, als Ersthelfer etwas falsch zu machen. Genau hier setzten die Organisatoren der Aktion „Drück mit!“ im Rahmen der Woche der Wiederbelebung im Landkreis Lindau an.
Über 100 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Angebote, um sich darüber zu informieren, wie sie im Ernstfall richtig handeln können und warum Erste Hilfe oft einfacher ist, als viele denken. Im Mittelpunkt der insgesamt fünf Veranstaltungen in verschiedenen Gemeinden stand während der gesamten Aktionswoche eine klare Kernbotschaft: Prüfen – Rufen – Drücken. Ergänzt wurde diese durch das aktive Üben der Herzdruckmassage.
Die Aktionswoche fand vom 8. bis 12. Dezember 2025 statt. Veranstalter war die Gesundheitsregionplus des Landkreises Lindau in Kooperation mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) Lindau und der Initiative Region der Lebensretter. An mehreren Orten im Landkreis konnten Interessierte ohne Anmeldung vorbeikommen, sich umfassend informieren und selbst die Reanimationsmaßnahmen praktisch üben.
Unterstützt wurde die Aktion auch von Landrat Elmar Stegmann, der sich selbst als Ersthelfer bei der Initiative Region der Lebensretter engagiert: „Jährlich sterben in Deutschland über 70.000 Menschen an einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Je früher mit der Wiederbelebung begonnen wird, desto größer sind die Überlebenschancen. Ersthelferinnen und Ersthelfer spielen dabei eine zentrale Rolle in der Rettungskette. Mir ist es deshalb ein großes Anliegen, mit solchen niedrigschwelligen Angeboten Sicherheit zu geben, Ängste abzubauen und zum Handeln zu ermutigen. Wer prüft, ruft und drückt, kann im Ernstfall Leben retten. Mein Dank gilt allen Beteiligten und allen, die sich für die Gesundheit der Menschen in unserem Landkreis engagieren.“
Neben theoretischen Impulsen stand vor allem das eigene Tun im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten unter anderem, wie sie einen Herz-Kreislauf-Stillstand erkennen, den Notruf 112 absetzen und unmittelbar mit der Herzdruckmassage beginnen. Ein zentrales Ziel der Aktionswoche war es, Hemmschwellen abzubauen und zum Handeln zu ermutigen.
Denn bislang wird nur rund die Hälfte aller Menschen mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand von anwesenden Personen wiederbelebt. Besonders Frauen erhalten seltener Hilfe, oft aus Unsicherheit oder aus Hemmungen, den Oberkörper für die Reanimation freizumachen. Die aktuellen Wiederbelebungsleitlinien machen jedoch deutlich: Schnelles Handeln ist entscheidend. Wer drückt, macht nichts falsch – Nichtstun hingegen kostet wertvolle Zeit. Dieser Grundsatz wurde während der gesamten Woche vermittelt und praktisch eingeübt.
Thomas Kaleja, Geschäftsstellenleiter der Gesundheitsregionplus des Landkreises Lindau, weist darauf hin, dass Unsicherheiten im Ernstfall darauf beruhen können, dass der letzte Erste-Hilfe-Kurs für viele Menschen häufig sehr lange zurückliegt. „Viele Teilnehmende haben berichtet, dass sie nun weniger Angst hätten und im Notfall eingreifen würden. Dass die Teilnehmenden diese Sicherheit gewinnen und das Erlernte im besten Fall auch im Notfall abrufen war unser Ziel. Die Resonanz freut mich sehr.“
Unter Anleitung erfahrener Fachkräfte des Bayerischen Roten Kreuzes konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Übungspuppen selbst Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen. Dabei lernten sie, wo genau, wie fest und in welchem Rhythmus bei einer Herzdruckmassage gedrückt werden muss, um das Gehirn ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Auch der richtige Einsatz eines Defibrillators (AED) wurde erklärt und praktisch ausprobiert. „Viele Teilnehmende waren erstaunt, wie leicht sich ein Defibrillator doch bedienen lässt und dass klare Sprachanweisungen der AEDs sicher durch jede Handlung führen“, so Thomas Kaleja.
Roman Gaißer, Kreisgeschäftsführer des BRK Lindau, fasst die Situation zusammen: „Die größte Hürde ist oft die eigene Angst. In unseren Kursen lernten die Menschen, dass Wiederbelebung nichts Kompliziertes ist.“ Gemeinsam mit seinem Team begleitete er die Aktionswoche an allen fünf Abenden in Weiler, Lindenberg, Hergatz, Hergensweiler und Lindau ehrenamtlich und vermittelte die Inhalte praxisnah vor Ort.
Im Rahmen der Woche der Wiederbelebung wurde auch der Kooperationspartner Region der Lebensretter vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein Ersthelfer-Alarmierungssystem, das bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand qualifizierte Ersthelferinnen und Ersthelfer in der Nähe der Betroffenen alarmiert und so wertvolle Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrückt. Die Überlebenschancen können dadurch deutlich erhöht werden.
