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15.07.2026

Das Heimatkundliche Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau beleuchtet das Thema Gartenkultur und Landespflege: »Es ist einfach gigantisch, was die Natur hervorbringt«

Lindau (Bodensee) – Gartenkultur und Landespflege – darum kümmert sich seit 150 Jahren der gleichnamige Schwäbische Bezirksverband. Bernd Brunner, Geschäftsführer des Schwäbischen Bezirksverbands und Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege der Landkreise Lindau und Oberallgäu, blickt auf die Gartentradition zurück und gibt Tipps für heutige Gärten. 

„Früher war der Garten natürlich ,nur‘ Mittel zum Zweck“, sagt Bernd Brunner. „Ohne eigene Aktivitäten war die Selbstversorgung gefährdet. Mit zunehmendem Wohlstand entwickelte sich dann der so genannte Freizeitgartenbau. Ich arbeite im Garten, weil es mir Spaß macht und guttut. Heute engagieren sich viele Menschen in ihren Gärten auch, um einen Beitrag zu ökologischer Vielfalt, Artenerhalt und Klimaanpassung zu leisten. Übrigens: Der Verband wurde als Imker- und Gartenbauverband gegründet. Prominentestes Gründungsmitglied war Sebastian Kneipp.“

1841 gab es in den deutschen Gärten 1421 Apfelsorten und 841 Birnensorten. 2021 wurden 305 Apfel- und 117 Birnensorten registriert. „Der Sortenrückgang ist eine klare Folge der rückläufigen Bedeutung des Streuobstanbaus. Im modernen Erwerbsanbau spielt Sortenvielfalt keine große Rolle“, stellt Bernd Brunner klar. „Da zählen andere Dinge. Es gab auch Zeiten, da wurde die Sortenreduzierung im Streuobstanbau sogar staatlich gefördert. Insgesamt haben wir sicher einen großen Verlust an genetischer Vielfalt erlitten.“ Der Trend sei inzwischen aber durch verschiedene Sortenerhaltungsprojekte zumindest gestoppt worden. Zudem seien in den vergangenen fünf Jahren in den Landkreisen Lindau, Ober-, Ost- und Unterallgäu 5000 Streuobstbäume gepflanzt worden. Ob der Fachmann damit rechnet, dass es noch unentdeckte Sorten gibt? „Zu 100 Prozent“, lautet seine Antwort.

Hochzeiten mit besonders vielen Mitgliedern hatte der Verband in den 1970er- und 1980er-Jahren – mit vielen Vereinsgründungen und entsprechenden Mitgliederzahlen. Derzeit zählt der Verband zwölf Kreis- und Stadtverbände mit 485 Vereinen und 78.444 Mitgliedern. Seine Aufgaben haben sich, so Bernd Brunner, „im Prinzip nicht verändert“: „Wir sind und bleiben die standesgemäße Vertretung unserer Mitglieder gegenüber anderen Verbänden, Institutionen und natürlich der Politik.“

Laut einer Studie verbringt ein Viertel der Deutschen seine Freizeit am liebsten im Garten. Viele stöhnen ob der anhaltenden Hitze. Welche Tipps gibt es, damit man dem Garten Gutes tun kann? „Richtig gießen“, rät der Experte. „Das heißt, besser jeden zweiten Tag am frühen Morgen intensiv den Boden wässern, als jeden Tag ein bisschen. Dafür braucht man allerdings genügend Zeit. Wenn ich sehe, dass das Wasser oberirdisch wegläuft, mache ich eine Pause, gieße woanders vor. Dann komme ich zurück, gieße weiter. So erreiche ich, dass die Pflanze tiefer wurzelt, weil sie merkt, dass sie dort Wasser bekommt.“ Wichtig sei auch: Nicht die Pflanze selbst begießen, sondern den Boden mit den Wurzeln. Die Verdunstung könne man minimieren, indem der Boden entweder komplett bepflanzt oder abgemulcht werde. Das sei auch gut, um UV-Licht so gut es geht fernzuhalten – die Lebewesen im Boden, die essentiell sind, reagierten hoch empfindlich auf UV-Licht. Noch ein Tipp des Fachmanns: Wo möglich, einen Windschutz anbringen, da der Wind sehr stark austrocknen kann.

Nach dem „furchtbaren Trend der Steinwüsten hat inzwischen Gott sei Dank ein Umdenken stattgefunden“, freut sich Bernd Brunner. „Viele Gartenbesitzer wollen ihr Stück Erde so naturnah wie möglich bewirtschaften.“ Eine Mindestgröße für einen Garten gebe es nicht. Der Experte: „Selbst auf einen Balkon kann ich mit entsprechendem Wissen ein kleines Paradies gestalten.“

Unterdessen rät der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflegevon Thuja, Rhododendron- und Azaleengewächsen ab, weil sie sehr trockenempfindlich sind. „Wer unbedingt Hortensien will, sollte auf Rispenhortensien setzen – die kommen mit wärmerem Wetter deutlich besser zurecht als Bauernhortensien.“ Besser für Gärten geeignet seien beispielsweise Gräser, sowie trockenverträgliche Präriepflanzen wie Rudbeckien. Im Staudenbereich gebe es viele geeignete Pflanzen. „Bernd Brunner: „Deren Laub ist zwar oft nicht so prächtig, und auch die Blüten sind nicht so riesig – sonst hätten sie einen viel höheren Wasserverbrauch. Insgesamt gesehen muss man aber nicht auf eine Blütenpracht verzichten – sie ist einfach anders als wir es bisher gewöhnt sind.“

Info: Zu seinem 150-jährigen Bestehen widmet die Heimatpflege dem Schwäbischen Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege die Wanderausstellung „In Schwaben verwurzelt“. Die Ausstellung kann im Museum der Gartenkultur, Schokoladenhaus, Jungviehweide 1, 89257 Illertissen bis 31. August besucht werden. Der Eintritt ist frei. Die Öffnungszeiten:Dienstag bis Samstag: 10 bis 17 Uhr,Sonntag: 11 bis 17 Uhr (feiertags geschlossen)

Hinweis: Ab September 2026 kann die Ausstellung unter heimatpflege@bezirk-schwaben.de kostenlos zur Ausleihe angefragt werden.

Info: Von Nachlässen bis hin zu mehr als 5000 heimatkundlichen und geschichtlichen Büchern und Zeitschriften: Das Heimatkundliche Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau in Weiler im Allgäu bewahrt Schätze der historischen und heimatkundlichen Forschung. Dazu gehören auch Kreis- und ortsgeschichtliche Sammlungen, Festschriften, Fotos, Ansichtskarten, historische und topografische Karten und Pläne, Zeitungsbände des Westallgäuers und Vorläufers ab 1854, Amts- und Regierungsblätter (ab 1803) sowie Gesetz- und Verordnungsblätter (ab 1818), Nachlässe verschiedener Heimatforscher und eine Kunstsicherungskartei mit fotografischen Bestandsaufnahmen und Beschreibung von Kircheninventaren.

Wer Interesse an Heimatgeschichte hat oder Möglichkeiten zum Recherchieren sucht, ist dort willkommen und kann per E-Mail (hdz@landkreis-lindau.de) einen Termin vereinbaren oder den neuen, kostenlosen Newsletter abonnieren. Damit informiert das Heimatkundliche Dokumentationszentrum künftig über Interessantes und Neuerwerbungen.