Wenn Nachbarn zu Lebensrettern werden
Lindau (Bodensee) - Der Landkreis Lindau baut die Region der Lebensretter weiter aus. Nach Schulungen in Weißensberg und Weiler sind inzwischen 40 Feuerwehrdienstleistende für die App-basierte Ersthelferalarmierung vorbereitet. Ziel ist es, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand das reanimationsfreie Intervall zu verkürzen und weitere qualifizierte Helferinnen und Helfer zum Mitmachen zu motivieren.
Bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Noch bevor der Rettungsdienst eintrifft, kann eine sofort begonnene Herzdruckmassage über Leben und Tod entscheiden. Genau hier setzt die Region der Lebensretter an: Über eine App können qualifizierte Ersthelfende in unmittelbarer Nähe alarmiert werden und bereits vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.
„Ich selbst bin von der Region der Lebensretter überzeugt und auch Teil dieses Netzwerks“, sagt Landrat Elmar Stegmann. „Ich habe bereits mehrere Einsätze miterlebt und dabei gesehen, was dieses Projekt im Ernstfall bedeutet. Hier kommt Hilfe unmittelbar bei den Menschen an, die sie in diesem Moment dringend brauchen. Wenn ein geliebter Mensch nach einer Reanimation die Chance erhält, wieder zu seiner Familie zurückzukehren, dann wird spürbar, was dieses Projekt bedeutet - schnelle Hilfe im richtigen Moment, die Leben retten und Familien zusammenhalten kann. Deshalb liegt mir die Region der Lebensretter persönlich sehr am Herzen.“
Der Landkreis Lindau stärkt diesen wichtigen Baustein der präklinischen Notfallversorgung weiter. Am 12. Mai fand eine Schulung im Feuerwehrhaus Weißensberg statt, am 1. Juli folgte eine weitere Schulung in Weiler. Insgesamt wurden damit bisher 40 Personen geschult. Im Mittelpunkt standen Feuerwehrdienstleistende aus dem Landkreis Lindau, die sich freiwillig und zusätzlich zu ihrem regulären Feuerwehrdienst bei der Region der Lebensretter engagieren möchten.
Die Schulung wurde von der Gesundheitsregionᵖˡᵘˢ Landkreis Lindau gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz, der Kreisbrandinspektion Lindau und der Region der Lebensretter organisiert. Die praktische Ausbildung vor Ort übernahmen Roman Gaißer vom Bayerischen Roten Kreuz und Thomas Kaleja von der Gesundheitsregionᵖˡᵘˢ. Den theoretischen Teil zur Region der Lebensretter gestaltete Nick Traenkle von der Region der Lebensretter.
Wie wichtig diese Vorbereitung ist, zeigte sich bereits kurz nach einer früheren Schulung im April. Erste ausgebildete Feuerwehrdienstleistende wurden nur wenige Tage später zu einem Reanimationseinsatz alarmiert. Damit blieb es nicht bei Theorie und Übung. Das Gelernte konnte unmittelbar in der Praxis angewendet werden.
„Wenn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand niemand mit der Wiederbelebung beginnt, geht mit jeder Minute wertvolle Überlebenschance verloren. Deshalb ist es so wichtig, dass qualifizierte Menschen aus der Nähe alarmiert werden können. Die Feuerwehrdienstleistenden sind über den gesamten Landkreis verteilt und damit oft genau dort, wo Hilfe gebraucht wird. Sie sind nah bei den Menschen, ortskundig, einsatzerfahren und bereit, Verantwortung zu übernehmen.“, sagt Maximilian Mangold, Kreisbrandinspektor Fachbereich Ausbildung, Kreisfeuerwehrverband Lindau (B.).
Gerade in einem ländlich geprägten Landkreis wie Lindau ist die Region der Lebensretter besonders wichtig. Der Rettungsdienst ist gut aufgestellt, dennoch braucht auch er je nach Einsatzort einige Minuten bis zum Patienten. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind aber genau diese ersten Minuten entscheidend. Wenn qualifizierte Ersthelfende aus der Nähe alarmiert werden und sofort mit der Wiederbelebung beginnen, kann diese Zeit überbrückt werden. Die Region der Lebensretter ergänzt damit den Rettungsdienst dort, wo es im Ernstfall auf jede Minute ankommt.
Die Region der Lebensretter ist dabei kein Ersatz für den Rettungsdienst oder die bewährten Helfer-vor-Ort-Gruppen im Landkreis, sondern ein zusätzlicher Baustein in der Rettungskette. Je mehr qualifizierte Personen registriert sind, desto größer ist die Chance, dass im Ernstfall schnell jemand in unmittelbarer Nähe helfen kann. Für die Bevölkerung bedeutet das mehr Sicherheit in sehr konkreter Form: Im Notfall kann es der Feuerwehrkamerad aus dem Nachbarort, die Pflegekraft von nebenan, der Rettungsdienstmitarbeiter auf dem Heimweg oder die Ärztin aus der eigenen Gemeinde sein, die über die App alarmiert wird und mit der Wiederbelebung beginnt.
Roman Gaißer, Kreisgeschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Lindau, beton: „Aus meiner Erfahrung im Rettungsdienst weiß ich, wie entscheidend die ersten Minuten bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind. Gerade am Anfang ist unglaublich viel gleichzeitig zu tun. Wenn dann bereits qualifizierte Ersthelfende der Region der Lebensretter vor Ort sind und mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen haben, ist das eine enorme Hilfe. Bei den Einsätzen, die ich selbst miterlebt habe, war ich immer dankbar für diese Unterstützung. Man weiß: Da sind Menschen am Patienten, die geschult sind, die wissen, was sie tun, und die in diesen ersten Minuten einen entscheidenden Beitrag leisten können.“
Der Landkreis Lindau und die Gesundheitsregionᵖˡᵘˢ rufen deshalb weitere qualifizierte Personen zum Mitmachen auf. Angesprochen sind insbesondere Feuerwehrdienstleistende, Mitglieder von Hilfsorganisationen, THW, BRK-Bereitschaften, Mitarbeitende im Rettungsdienst, Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Klinikpersonal sowie alle Personen mit medizinischem oder rettungsdienstlichem Hintergrund.
Wer qualifiziert ist und helfen kann, ist eingeladen, sich bei der Region der Lebensretter zu registrieren. Jede zusätzliche Helferin und jeder zusätzliche Helfer kann im Ernstfall entscheidend sein.
Weitere Informationen zur Registrierung und zu den Voraussetzungen gibt es bei der Region der Lebensretter unter www.regionderlebensretter.de.
