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30.06.2026

Neuer Gesundheitsausschuss des Landkreises tagt zum ersten Mal +++ Ambulante und stationäre Versorgung im Fokus

Lindau (Bodensee) – „Gesundheit ist mehr als ein Politikfeld. Gesundheit bedeutet Sicherheit, Lebensqualität und auch Vertrauen der Menschen in die Handlungsfähigkeit des Staates,“ so begrüßte Landrat Elmar Stegmann die Mitglieder des neu installierten Ausschusses für Gesundheit, Pflege und Prävention. „Dass wir als neuer Kreistag nun beschlossen haben, diesem Thema einen eigenen Ausschuss zu widmen, ist ein weiteres starkes Signal für unser gemeinsames Engagement.“ Denn bereits der bisherige Kreistag hatte sich schon intensiv mit der Gesundheitsversorgung auseinandergesetzt und auch Mittel für die Erarbeitung zukunftsfähiger medizinischer Versorgungsstrukturen im oberen Landkreis zur Verfügung gestellt. In der ersten Sitzung des Ausschusses hat Dr. Alexander Schmid von der Firma 2perspectives nun die Ergebnisse von zwei Gutachten vorgestellt – eines zur Krankenhausversorgung und eines zur ambulanten Versorgung, die in längeren Prozessen und gemeinsam mit vielen lokalen Experten entstanden sind. Erste Maßnahmen, die bereits umgesetzt wurden, sind ebenfalls vorgestellt worden.

Die Gesundheitsversorgung im Rahmen der Möglichkeiten aktiv mitzugestalten – das ist der Anspruch des neu gegründeten Ausschusses für Gesundheit, Pflege und Prävention, der auch die Kompetenz hat, Beschlüsse zu fassen. Der Ausschuss besteht aus Mitgliedern aller Fraktionen des Kreistags. Die Verantwortlichkeit liegt in vielen Bereichen bei anderen Akteuren, beispielsweise beim Bund, bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns oder beim Freistaat Bayern. „Gesundheitspolitik ist deshalb wie ein Mannschaftssport und wir müssen dafür sorgen, dass wir alle mit im Team haben“, so Landrat Elmar Stegmann. In seiner Einführung gab er nochmals einen kurzen Überblick über den aktuellen Status Quo bei den drei Pfeilern des Gesundheitswesens: Der stationären Versorgung, der ambulanten Versorgung und dem Rettungsdienst / der Notfallversorgung.

Status Quo im Gesundheitswesen im Landkreis Lindau
Der Rettungsdienst bildet das verlässliche Sicherheitsnetz der Bevölkerung und übernimmt eine zentrale Rolle in der Notfallversorgung – ähnlich wie eine Feuerwehr im Gesundheitswesen. Der Landkreis hat sich hier in der Vergangenheit stark eingebracht mit guten Ergebnissen: In Oberreute wurde ein zusätzlicher Rettungswagen installiert, es wurde beschlossen, die Einsatzzeiten der Luftrettung zu verlängern, die vier Helfer-vor-Ort-Gruppen werden direkt vom Landkreis gefördert und die Ersthelfer-App „Region der Lebensretter“ wurde eingeführt. Insgesamt ist die rettungsdienstliche Versorgung gut aufgestellt, erfordert aber weiterhin Aufmerksamkeit und eine kontinuierliche Weiterentwicklung.

Die ambulante Versorgung steht vor großen Herausforderungen: Haus- und Facharztpraxen finden immer schwieriger Nachfolger, insbesondere im ländlichen Raum. Deshalb will der Landkreis Lindau seine Attraktivität als Gesundheitsstandort stärken, unter anderem durch den Beitritt in das neu gegründete Medizinische Versorgungszentrun (MVZ), den sinnvollen Einsatz von Telemedizin, die Digitalisierung sowie eine enge Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren. Dabei soll die medizinische Versorgung trotz technischer Fortschritte menschlich bleiben. Auch die Pflege steht angesichts des steigenden Bedarfs und des Fachkräftemangels unter erheblichem Druck. Gleichzeitig gewinnt Prävention weiter an Bedeutung – etwa durch Gesundheitsförderung, Suchtprävention, Angebote zur psychischen Gesundheit sowie Maßnahmen für Familien und Senioren. Positive Entwicklungen waren die dauerhafte Etablierung der Gesundheitsregionplus, der Aufbau regionaler Netzwerke, die Gründung eines genossenschaftlichen MVZ im Westallgäu, an dem sich der Landkreis beteiligen wird, die Einrichtung eines Gesundheitsbeirats in Lindenberg sowie Kampagnen zur Fachkräftegewinnung sowie die Initiierung eines Weiterbildungsverbunds. Diese Entwicklungen werden die ambulante Gesundheitsversorgung langfristig stärken.

Die stationäre Gesundheitsversorgung befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Schließung der Rotkreuzklinik Lindenberg und weitere Klinikinsolvenzen verdeutlichen den hohen wirtschaftlichen Druck auf Krankenhäuser. Zwar werden die Ziele der Krankenhausreform grundsätzlich anerkannt, doch besteht die Sorge, dass viele Kliniken die Übergangszeit bis zur vollständigen Umsetzung wirtschaftlich nicht überstehen. Der Landkreis beschäftigt sich deshalb intensiv mit der Zukunft der stationären Versorgung, hat nun ein Gutachten eingeholt und steht in engem Austausch mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium sowie benachbarten Landkreisen und Kliniken – auch über Landesgrenzen hinweg. Dabei zeichnet sich ab, dass die Zukunft nicht mehr in einzelnen Klinikstandorten, sondern in regionalen und grenzüberschreitenden Versorgungsnetzwerken liegt. Diese Entwicklung will der Landkreis aktiv mitgestalten.

Das Gutachten zur stationären Versorgung
Zur Historie: Schon vor der Schließung der Rotkreuzklinik hatten sich die lokalen Klinikbetreiber auf eine Zusammenarbeit verständigt und gemeinsam mit den Landkreisen Ravensburg und Lindau sowie den Gesundheitsministerien von Baden-Württemberg und Freistaat Bayern ein Gutachten zur stationären Versorgung in der Region in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse des ersten Gutachtens aus dem Herbst 2024 hatten auf kommunaler Ebene breite Zustimmung gefunden. Allerdings lehnte der damalige baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha überraschend eine länderübergreifende Lösung – wie im Gutachten vorgesehen – ab. Aufgrund der Entwicklungen wurde das erste Gutachten erweitert. Es soll analysieren, wie ambulante und stationäre Angebote zukünftig noch enger verzahnt werden können – immer zum Wohle der Patienten in allen Teilen des Landkreises und für die Sicherung der stationären Krankenhausversorgung. Mit der Erweiterung des Gutachtens - welches wieder durch den Freistaat finanziert wird - wurde erneut das Unternehmen 2perspectives beauftragt. Neben der Asklepios Klinik Lindau ist dabei auch der Klinikverbund Allgäu Partner.

Die Ergebnisse wurden nun im Ausschuss vorgestellt. Diskutiert werden diese im Kreistag am Donnerstag, 23. Juli. Bis zu diesem Termin hat dann auch bereits ein erstes Gespräch mit dem Freistaat Bayern stattgefunden, in dem unter anderem abgeklärt wird, wie sich dieser sich als Verantwortlicher für die Krankenhausplanung und -finanzierung zu den Ergebnissen des Gutachtens positioniert.

Die Einschätzung und Empfehlung des Experten Dr. Alexander Schmid von 2perspectives in Kürze: Die Grundversorgung ist derzeit gesichert, die Asklepios Klinik Lindau steht jedoch vor wirtschaftlichen und baulichen Herausforderungen. In dem aktuellen Gutachten wurden nun fünf mögliche Szenarien bewertet – und zwar von einem „Weiter so“ bis hin zu einem hypothetischen Wegfall der stationären Versorgung in Lindau. Eine gemeinsame Ein-Standort-Lösung für die Region Lindau/Wangen ist nach Ansicht des Experten nach wie vor die beste Zukunftsoption. Kommt eine gemeinsame Lösung nicht zustande, empfiehlt das Gutachten die gezielte Weiterentwicklung der Klinik Lindau mit einem Ausbau medizinischer und ambulanter Angebote sowie langfristig einen modernen Ersatzneubau.

Eine Präsentation mit den Ergebnissen des Gutachtens ist auf der Internetseite des Landkreises zu finden unter https://www.landkreis-lindau.de/Gesellschaft-Soziales-Gesundheit/Medizinische-Versorgung-im-Landkreis-Lindau-Bodensee-/.

Das Gutachten zur ambulanten Versorgung
Der Kreistag hatte im März 2025 beschlossen, dass ein Gutachten zur ambulanten Versorgung im Landkreis erstellt werden soll. Darüber hinaus hat der Kreistag auch Gelder für erste Umsetzungsprojekte zur Verfügung gestellt. Ziel ist die Entwicklung eines zukunftsfähigen und nachhaltigen ambulanten Versorgungskonzepts für den Landkreis Lindau. Dabei sollten zentrale Aspekte für eine innovative, sektorenübergreifende und bedarfsorientierte Versorgungsstruktur gemeinsam mit den Ärzten und weiteren Experten herausgearbeitet werden. Über 70 Teilnehmer haben in drei Terminen zentrale Handlungsfelder erarbeitet und zwar die wohnortnahe flächendeckende Versorgung, die ambulante Akutversorgung, eine Willkommenskultur und Nachwuchskräftegewinnung sowie eine bessere Vernetzung und Nutzung von gemeinsamen Ressourcen gerade auch bei administrativen Aufgaben. Insgesamt wurden 20 Maßnahmen festgelegt, die teilweise bereits umgesetzt sind. „Wir haben damit eine gute Grundlage geschaffen, auf der weiter aufgebaut werden kann“, freut sich Landrat Elmar Stegmann.

Die gesamte Kurzpräsentation ist ebenfalls auf der Internetseite des Landkreises zu finden: https://www.landkreis-lindau.de/Gesellschaft-Soziales-Gesundheit/Medizinische-Versorgung-im-Landkreis-Lindau-Bodensee-/ 

Auch die Ergebnisse des Gutachtens zur ambulanten Versorgung werden in der nächsten Kreistagssitzung (23.07.) auf der Tagesordnung stehen.