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Integrationskonzept des Landkreises Lindau (Bodensee)

Was können wir in unserem Landkreis, in unserem Rahmen und mit unseren Ressourcen tun, um die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund voranzubringen?

Wie können wir die bestehenden Regelsysteme an die Herausforderungen der Integration angepasst werden?

Wo braucht es neue besondere Angebote?

Diese und weitere Fragen wollen Kreispolitik und Kreisverwaltung mit einem Integrationskonzept für den Landkreis beantworten. Das Konzept soll dabei kein Leitbild für die Wand oder kein Buch für die Schublade sein, sondern ein konkreter Handlungsleitfaden speziell für unseren Landkreis, ein Denkanstoß für Menschen mit Migrationshintergrund ebenso wie für die Kommunen und die Zivilgesellschaft – für ein gutes Zusammenleben von Zugewanderten und Einheimischen im Landkreis.

Wie ist das Integrationskonzept des Landkreises entstanden?

Den Impuls für die Erarbeitung des Integrationskonzeptes gab ein umfassender Bericht der Kreisverwaltung im Ausschuss für Bildung, Soziales und Sport des Kreistages am 09.11.2017. Dort wurde dargestellt, wie die Herausforderung der Zuwanderung Asylsuchender in den Jahren 2014 bis 2016 bewältigt wurden. Der Ausschuss nahm den Bericht der Verwaltung positiv zur Kenntnis und verband dies mit dem Auftrag, ein ganzheitliches Integrationskonzept für den Landkreis Lindau (Bodensee) zu erarbeiten.

Eine Kerngruppe in der Kreisverwaltung orientierte sich in der Folge, in welchen Formen und mit welchen Inhalten andere Landkreise aktuell Integrationskonzepte erarbeitet haben. In der Diskussion verwaltungsintern und mit Netzwerkpartnern entstand die Vision eines gemeinschaftlich erarbeiteten und möglichst schlank und praxisnah ausgestalteten Handbuches als Leitlinie für die Integrationsarbeit in den nächsten Jahren. Mit dem Beratungsunternehmen Translake aus Konstanz wurde ein erfahrener Partner ausgewählt, um die Erarbeitung des Konzeptes strukturell und inhaltlich zu begleiten. Als Fahrplan diente dabei ein zusammen mit Translake erarbeitetes Projekthandbuch.

Rückgrat des gesamten Erarbeitungs- und Redaktionsprozesses bildete eine erweiterte Kerngruppe. Vertreter der Fachbereiche „Aufnahme von Asylsuchenden“, „Jugend und Familie“, „Ausländer- und Personenstandswesen“ und „Kreisentwicklung“, des Integrationsbeirates und des Jobcenters erarbeiteten in zwei Workshops folgende wesentliche Themen: Was verstehen wir unter Integration? Welche Hauptthemen wollen wir bearbeiten? Wie soll unser Konzept aussehen? Wo stehen wir aktuell in den einzelnen Themenfeldern? Welche Integrationsangebote gibt es schon im Landkreis? Der Integrationsbeirat des Landkreises wurde zum Aufbau des Konzeptes, zum Integrationsverständnis und zur Ausgestaltung der Beteiligungsveranstaltung einbezogen.

Ein breit angelegtes Beteiligungsforum am 20.07.2018 bildete das Herzstück bei der Informationsgewinnung. Unter dem Titel „Wir im Landkreis Lindau – Gemeinsam für unser Integrationskonzept“ brachten 130 Akteure aus dem Landkreis ihre fachliche Expertise und ihre konkreten Erfahrungen mit dem Thema Migration und Integration in den Erarbeitungsprozess ein. Moderiert durch Mitarbeitende von Translake und Mitglieder der Kerngruppe wurden viele Ideen und Lösungsansätze diskutiert und gesammelt. Eine Vielzahl von Vorschlägen für sinnvolle, konkrete und umsetzbare Maßnahmen für gelingende Integration in unserem Landkreis wurde erarbeitet.

Über den Sommer hinweg erfolgte die umfassende weitere redaktionelle und inhaltliche Bearbeitung der Zielformulierungen und Maßnahmenvorschläge durch die Mitglieder der Kerngruppe. Die erarbeiteten Ergebnisse wurden im Oktober an den Integrationsbeirat und alle interessierten Akteure aus dem Beteiligungsforum versandt, um zu überprüfen, ob alle wichtigen Ergebnisse aus dem Beteiligungsverfahren in den Konzeptentwurf eingeflossen sind. Nach einer Vorberatung im Ausschuss für Bildung, Soziales und Sport am 15.11.2018 hat der Kreistag des Landkreises Lindau (Bodensee) das Integrationskonzept am 13.12.2018 schließlich beraten und einstimmig angenommen.

Wie ist das Integrationskonzept aufgebaut und zu lesen?

Teil 1 des Integrationskonzeptes beschreibt das dem Konzept zugrunde liegende Verständnis von Integration im Landkreis Lindau (Bodensee). Für die verschiedenen Handlungsfelder wurden jeweils die Ausgangslage im Landkreis beschrieben und die verfolgten Zielsetzungen formuliert.

Teil 2 des Konzeptes enthält den konkreten Maßnahmenplan. Hier werden zu den in Teil 1 benannten Zielen die bereits bestehenden Maßnahmen aufgeführt. Ein Ideenpool möglicher neuer Maßnahmen bietet weiten Raum für alle Akteure, um neue Projekte aufzugreifen oder die eigene Kreativität zu entfalten. Bei den einzelnen Zielen sind jeweils auch die statistischen Indikatoren angegeben, die im Rahmen der geplanten Evaluation überprüft werden sollen, sowie ein Zeithorizont, bis zu dem jeweils (Zwischen-)Ergebnisse erreicht werden sollen.

Während Teil 1 längerfristig und damit eher statisch angelegt ist, soll Teil 2 bewusst als Arbeitspapier dienen, das kontinuierlich auch mit neuen Ideen und Maßnahmen ergänzt werden kann.

Wie wird das Konzept nun konkret umgesetzt?

Die Grundlage für die Umsetzung bildet ein fachliches Monitoring, das die statistischen Grundlagen für die Integrationsarbeit im Landkreis in den nächsten Jahren kontinuierlich aufarbeiten wird. In der Kerngruppe wurden bereits mögliche prioritär umzusetzende Schwerpunktmaßnahmen identifiziert, die eine große Reichweite und einen großen Effekt erzielen werden und für die in hoher Bedarf und eine hohe Wichtigkeit angenommen wird. Ebenso wurden sog. „Quick-Win“-Maßnahmen identifiziert, die schnell umsetzbar bar sind, für die die finanziellen und/oder personellen Ressourcen gesichert oder leicht verfügbar sind und die in Eigenverantwortung umgesetzt werden können. Diese beiden Maßnahmenkategorien bilden eine Richtschnur für erste Umsetzungsschritte im Jahr 2019. Der Kreistag stellt hierfür im Haushalts- und Stellenplan für das Jahr 2019 die nötigen Ressourcen bereit.