„Echt ich oder perfekt inszeniert?“ +++ Ein Abend, der zum Nachdenken anregte
Lindau (Bodensee) - Mehr als 50 Interessierte besuchten die Veranstaltung „Echt ich oder perfekt inszeniert?“ im Kulturboden Lindenberg, die im Rahmen der vom Teilhabe-Netzwerk Lindau (Bodensee) organisierten „Tage der seelischen Gesundheit“ stattfand. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen sozialer Medien auf das Selbstbild und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sowie die Frage, wie Eltern ihre Kinder in der digitalen Welt begleiten und stärken können.
Was ist im Internet eigentlich noch echt? Wie lassen sich manipulierte Bilder und Videos erkennen? Und wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, sich in einer zunehmend digitalen Lebenswelt zurechtzufinden? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die mehr als 50 Besucherinnen und Besucher bei der Veranstaltung. Bereits vor dem offiziellen Beginn nutzten die Gäste die Gelegenheit, sich an den Informationsständen verschiedener regionaler Einrichtungen über Beratungs- und Unterstützungsangebote zu informieren. Der persönliche Austausch bot einen Einstieg in einen Abend, der wichtige Impulse für Eltern, pädagogische Fachkräfte und alle Interessierten bereithielt.
Einen besonderen Höhepunkt bildete der lebendige und anschauliche Impulsvortrag von Patrik Stemmer, der mit seinem KUJO-Konzept („Kinder und Jugendliche Online“) Einblicke in die Herausforderungen der digitalen Welt gab. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie sich unsere Wahrnehmung von Wahrheit und Wirklichkeit durch soziale Medien und künstliche Intelligenz verändert.
Anhand eindrucksvoller Beispiele verdeutlichte Stemmer, wie täuschend echt manipulierte Bilder, Videos und Stimmen mittlerweile wirken können. Dabei unterschied er zwischen vollständig künstlich erzeugten Inhalten, sogenannten Full-Fakes, und echten Inhalten, die durch einen veränderten Zusammenhang eine völlig andere Bedeutung erhalten können. Deutlich wurde, wie schwierig es zunehmend wird, im Internet zwischen Fakten, Meinungen, Gerüchten und gezielten Falschinformationen zu unterscheiden.
Eine besonders wichtige Botschaft richtete Stemmer dabei unmittelbar an die Eltern: Niemand müsse Angst vor dem Begriff Medienkompetenz haben. Viel wichtiger sei es, sich für das zu interessieren, was Kinder und Jugendliche im Internet erleben, welche Plattformen sie nutzen und welche Inhalte sie beschäftigen.
Statt die digitale Welt nur mit Verboten und Sorgen zu betrachten, ermutigte er Eltern, neugierig zu bleiben, gemeinsam mit ihren Kindern digitale Angebote zu entdecken und offen miteinander darüber zu sprechen. Denn Medienkompetenz entstehe nicht allein durch technisches Wissen, sondern vor allem durch gemeinsames Erleben, gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.
Dabei machte er deutlich, wie eng die digitale und die reale Lebenswelt gerade bei jüngeren Generationen miteinander verwoben sind. Umso wichtiger ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig zu begleiten und ihnen die notwendigen Fähigkeiten für einen selbstbestimmten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln.
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die verschiedenen Aspekte aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Pädagogische Fachkräfte tauschten sich über Erfahrungen aus ihrer täglichen Arbeit aus und diskutierten, welche Herausforderungen sich für Familien, Schulen und die Jugendarbeit ergeben. Besonders bereichernd war dabei der Beitrag des Content Creators Moritz Taylor, der die Diskussion mit seiner Perspektive aus der Welt der sozialen Medien ergänzte und neue Denkanstöße lieferte. Durch den Abend und die lebendige Diskussion führte Stefan Fürhaupter, der die unterschiedlichen Perspektiven zusammenführte und den Austausch zwischen den Beteiligten begleitete.
„Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie viele engagierte Menschen und Organisationen sich in unserem Landkreis für die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Kinder und Jugendlichen einsetzen. Wir haben hier eine große Vielfalt an wertvollen Beratungs- und Unterstützungsangeboten, die oft viel zu wenig bekannt sind. Umso wichtiger ist es, diese Angebote sichtbar zu machen und die verschiedenen Akteure miteinander zu vernetzen“, betont Thomas Kaleja, Geschäftsstellenleiter der Gesundheitsregionᵖˡᵘˢ Landkreis Lindau (Bodensee).
Die Veranstaltung fand im Rahmen der „Tage der seelischen Gesundheit im Landkreis Lindau“ statt, die vom Teilhabe-Netzwerk Lindau (Bodensee) organisiert werden. Auf die Beine gestellt wurde sie in Zusammenarbeit zwischen der Gesundheitsregionᵖˡᵘˢ Landkreis Lindau (Bodensee), dem Kreisjugendring Lindau und dem Arbeitskreis Medienkompetenz.