Echt ich oder perfekt inszeniert? Orientierung für Familien im digitalen Alltag

Lindau (Bodensee) - Wie erleben Kinder und Jugendliche Instagram, TikTok und Co.? Was machen Vergleichsdruck, Likes und inszenierte Lebenswelten mit ihnen und wie können Erwachsene sie dabei gut begleiten? Die Gesundheitsregionᵖˡᵘˢ Landkreis Lindau lädt gemeinsam mit dem Kreisjugendring Lindau und dem Arbeitskreis Medienkompetenz am 19. Oktober 2026 in den Kulturboden Lindenberg ein. Die Veranstaltung ist Teil der vom Teilhabe-Netzwerk Lindau (Bodensee) organisierten Veranstaltungsreihe „Gelassen durch den Alltag. Tage der seelischen Gesundheit im Landkreis Lindau“. Der Eintritt ist frei.

Internet und soziale Medien gehören für Kinder und Jugendliche selbstverständlich zum Alltag. Sie bieten Zugang zu Wissen, ermöglichen Kommunikation, Kreativität und Austausch. Gleichzeitig bewegen sich junge Menschen in einer digitalen Welt, die viele Eltern aus ihrer eigenen Kindheit und Jugend nicht kennen. Plattformen, Trends und Mechanismen verändern sich schnell. Likes, scheinbar perfekte Bilder, Filter und der permanente Vergleich mit anderen können dabei ebenso eine Rolle spielen wie Gemeinschaft, Information und Unterhaltung.

Genau hier setzt die Veranstaltung „Echt ich oder perfekt inszeniert? Zwischen Filterwelt, Vergleichsdruck und dem Mut zur eigenen Identität“ an. Sie findet am Montag,
19. Oktober 2026, im Kulturboden Lindenberg, Museumsplatz 1, statt. Ab 17:30 Uhr können sich Besucherinnen und Besucher bei einem Infomarkt über regionale Beratungs-, Präventions- und Unterstützungsangebote informieren. Das Veranstaltungsprogramm beginnt um 18:00 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei.

„Kinder und Jugendliche brauchen auch im digitalen Raum Erwachsene, die Interesse zeigen, Orientierung geben und sie begleiten. Dafür müssen Eltern nicht jede neue App und jeden Trend kennen. Entscheidend ist, dass wir ihnen Wissen an die Hand geben, damit sie die digitale Lebenswelt ihrer Kinder besser verstehen und mit ihnen im Gespräch bleiben können“, betont Landrat Elmar Stegmann.

Dass soziale Medien für Jugendliche Chancen bieten, aber auch belasten können, zeigt die aktuelle JIMplus-Studie 2026 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest. 82 Prozent der befragten 14- bis 17-Jährigen sehen soziale Medien als wichtigen Zugang zu Themen und Wissen. Gleichzeitig geben 72 Prozent an, dass Social Media sie von Dingen ablenkt, die sie eigentlich erledigen wollten. Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Medien nicht nur gut oder schlecht sind. Entscheidend ist ein bewusster und kompetenter Umgang damit.

Wissen statt pauschaler Verbote

Die Veranstaltung will deshalb soziale Medien ausdrücklich nicht verteufeln. Ziel ist vielmehr, Eltern, Erziehungsberechtigten und pädagogischen Fachkräften Hintergrundwissen und praktische Orientierung zu vermitteln. Sie sollen besser nachvollziehen können, was Kinder und Jugendliche online erleben, welche Mechanismen hinter digitalen Angeboten stehen und wie sie junge Menschen dabei unterstützen können, selbstbewusst und reflektiert mit diesen umzugehen.

Mit Patrik Stemmer, Sozialpädagoge, Jugendsozialarbeiter und Entwickler des medienpädagogischen KUJO-Konzepts, konnte dafür ein Experte auf diesem Gebiet gewonnen werden. Sein Konzept beschäftigt sich mit der Vermittlung von Medienkompetenz und der Frage, wie Kinder, Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte mit Chancen, Grenzen und Herausforderungen des Internets umgehen können.

Im Anschluss bringt eine Podiumsdiskussion unterschiedliche Perspektiven zusammen. Mit Moritz Taylor fließt dabei auch der direkte Blick aus der Social-Media-Welt ein. Der aus Isny stammende Content Creator, der auch als Model arbeitet, beschäftigt sich vor allem mit Mode, Lifestyle und Fotografie und erreicht auf Instagram inzwischen über 450.000 Followerinnen und Follower. Auch auf TikTok ist er aktiv und arbeitet im Mode- und Luxussegment mit internationalen Marken zusammen. Damit kann er aus eigener Erfahrung zeigen, wie Inhalte für soziale Medien entstehen, wie Bilder und Außenwirkung inszeniert werden und was hinter dem vermeintlich perfekten Auftritt auf dem Bildschirm steckt. Ergänzt wird diese Perspektive durch den Kreisjugendring Lindau und den Arbeitskreis Medienkompetenz, in dem Fachkräfte und Institutionen aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten.

„Kinder wachsen heute mit digitalen Medien auf. Für uns Erwachsene bedeutet das, neugierig zu bleiben und uns ebenfalls weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist nicht, Eltern vorzuschreiben, was richtig oder falsch ist. Wir möchten ihnen Informationen und konkrete Impulse geben, damit sie ihre Kinder kompetent und mit Interesse begleiten können“, sagt Benjamin Taylor, 1. Vorsitzender des Kreisjugendrings Lindau.

Dritte Veranstaltung der Reihe

Bereits zum dritten Mal beteiligt sich die Gesundheitsregionᵖˡᵘˢ Landkreis Lindau (Bodensee) mit einer eigenen Veranstaltung an den Tagen der seelischen Gesundheit im Landkreis Lindau. Die Veranstaltungsreihe wird vom Teilhabe-Netzwerk Lindau (Bodensee) organisiert und bringt unterschiedliche Akteure und Angebote rund um psychische Gesundheit, Prävention und Unterstützung zusammen. 2024 beteiligte sich die Gesundheitsregionᵖˡᵘˢ mit „Medienmeister“ und dem Schwerpunkt Medienkompetenz junger Menschen. 2025 folgte mit „Vom Like zur Lüge“ ein Blick auf Desinformation und Manipulation im Netz. In diesem Jahr stehen mit „Echt ich oder perfekt inszeniert?“ Selbstbild, Vergleichsdruck und die Frage im Mittelpunkt, wie Erwachsene Kinder und Jugendliche in ihrer digitalen Lebenswelt gut begleiten können.

Die Veranstaltung knüpft damit auch inhaltlich an den Masterplan Prävention des Freistaats Bayern an. Zu dessen Zielen gehören die Verbesserung des Gesundheitswissens, die Stärkung der psychischen Gesundheit sowie der Umgang mit den Herausforderungen exzessiver Mediennutzung. Auch die Gesundheitsregionenᵖˡᵘˢ werden dort ausdrücklich als regionale Strukturen für Prävention und Gesundheitsförderung benannt.

„Die Tage der seelischen Gesundheit sollen die Menschen im Landkreis Lindau auf das vielfältige psychosoziale Angebot aufmerksam machen und Strategien aufzeigen, wie wir seelisch gesund durch den Alltag kommen. Wir freuen uns, dass sich die Gesundheitsregionᵖˡᵘˢ an unserer Veranstaltungsreihe beteiligt und mit „Echt ich oder perfekt inszeniert“ Wege aufzeigt, wie sich Familien gut in der digitalen Welt bewegen können.“, erklärt Sabine Blocher vom Teilhabe-Netzwerk Lindau (Bodensee).

Vorbeikommen und informieren

Unter dem Motto „Gelassen durch den Alltag“ finden vom 10. bis 24. Oktober 2026 die Tage der seelischen Gesundheit im Landkreis Lindau statt. Die Veranstaltungsreihe wird vom Teilhabe-Netzwerk Lindau (Bodensee) organisiert. Zahlreiche Einrichtungen und Akteure aus dem Landkreis beteiligen sich mit Veranstaltungen zu psychischer Gesundheit, Prävention, Beratung und Unterstützung.

„Echt ich oder perfekt inszeniert?“ ist eine dieser Veranstaltungen. Darüber hinaus bietet das Gesamtprogramm zahlreiche weitere Vorträge, Workshops und Aktionen. Ein Blick in den Veranstaltungsflyer der Tage der seelischen Gesundheit lohnt sich.

Termin: Montag, 19. Oktober 2026
Ort: Kulturboden Lindenberg, Museumsplatz 1, 88161 Lindenberg im Allgäu
Infomarkt: ab 17:30 Uhr
Veranstaltungsbeginn: 18:00 Uhr
Eintritt: kostenfrei

Eltern, Erziehungsberechtigte, pädagogische Fachkräfte und alle Interessierten sind eingeladen: vorbeikommen, informieren, Fragen stellen und Wissen mitnehmen, um Kinder und Jugendliche in ihrer digitalen Lebenswelt besser verstehen und begleiten zu können.