Erfolgreiche Klimaschutzbilanz und neuer Prüfauftrag: Landkreis Lindau treibt Nachhaltigkeit und Personalressourcen voran
Lindau (Bodensee) – In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft zog der Landkreis Lindau (Bodensee) eine positive Bilanz seiner bisherigen Klimaschutzanstrengungen und stellte mit einem einstimmig angenommenen Prüfauftrag auch gleich die Weichen für die personelle und strategische Zukunft. Ob messbare Reduzierungen der Treibhausgasemissionen in der Verwaltung, richtungsweisende Ausbauprojekte im ÖPNV und Radverkehr oder die geplante Stärkung der Klimaschutz-Strukturen – der Landkreis beweist mit seinen konkreten Resultaten wie wichtig ihm dieses Thema ist.
Landkreis prüft Aufstockung im Klimaschutz und greift Förderprogramm auf
Ein zentraler Beschluss der Ausschusssitzung widmet sich der Stärkung der administrativen Kapazitäten. Die Verwaltung wurde beauftragt zu prüfen, ob die Stelle im Bereich Klimaschutz – die bislang im Fachbereich Kreisentwicklung mit einem 50-Prozent-Anteil besetzt ist und vor allem das Monitoring sowie das Klimabündnis Allgäu betreut – durch Fördermittel aus dem Programm „KommKlimaFöR 2026“ aufgestockt oder zum Klimaschutzlotsen bzw. -manager ausgebaut werden kann. Das Förderprogramm bietet hierbei einen Zuschuss von 50 Prozent bei einer Förderhöchstgrenze von bis zu 150.000 Euro.
Um für eine zeitnahe Antragstellung im kommenden Winter optimal vorbereitet zu sein, soll im Entwurf des Haushalts für das Jahr 2027 vorsorglich ein Betrag von bis zu 45.000 Euro eingestellt werden. Dieser Betrag wird mit einem Sperrvermerk versehen, sodass die Mittel erst nach einer erneuten, zustimmenden Beschlussfassung durch das Gremium nach Vorlage des Prüfergebnisses freigegeben werden.
Klare Worte aus dem Landratsamt
Landrat Elmar Stegmann betonte die Bedeutung dieser Weichenstellung: „Der Klimaschutz ist für unseren Landkreis keine theoretische Debatte, sondern eine spürbare Gemeinschaftsaufgabe, die wir mit konkreten Taten untermauern. Mit der erfolgreichen energetischen Sanierung unserer Landkreisgebäude und damit der Senkung unserer Treibhausgasemissionen sowie dem hervorragenden Zwischenstand bei der Radverkehrsförderung sehen wir, dass sich unsere harte Arbeit auszahlt. Um diesen erfolgreichen Weg nachhaltig abzusichern und unsere Verwaltungen sowie Kommunen noch enger zu vernetzen, prüfen wir nun konsequent die personelle Verstärkung im Bereich Klimaschutz. Unser Ziel ist es, Förderchancen wie über das Programm KommKlimaFöR optimal zu nutzen, um den Landkreis Lindau Schritt für Schritt klimafester und zukunftsfähiger zu gestalten.“
Deutlicher Rückgang der Treibhausgasemissionen
Dass der Landkreis auf einem guten Kurs ist, belegen die aktuellen Zahlen des Bündnisses „Klimabündnis Allgäu 2030“, dem sich die Verwaltung angeschlossen hat. Die Treibhausgasemissionen der Landkreisliegenschaften sanken im Bilanzjahr 2024 um 15,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besondere Erfolge verzeichnet die Verwaltung beim Wärme- (minus 21 Prozent) und Stromverbrauch (minus 18 Prozent).
Nachhaltiges Gebäudemanagement und grüne Architektur
Verantwortlich für diese Einsparungen sind gezielte Investitionen in moderne Technik, ein digitales Energiemonitoring sowie die schrittweise Umrüstung auf LED-Beleuchtung im Gebäudebestand. Ein echtes Leuchtturmprojekt ist der Neubau der Antonio-Huber-Schule in Lindenberg, der als Effizienzhaus KfW 40 EE realisiert wurde. Durch den Einsatz von rund 1.100 Kubikmetern Holz wurden etwa 862 Tonnen CO₂ dauerhaft gebunden – rund 300 Tonnen weniger CO₂-Emissionen als bei einer vergleichbaren Betonbauweise.
Attraktiver ÖPNV, Wasserstoffbusse und Auszeichnung als fahrradfreundlicher Landkreis
Auch im Handlungsfeld Verkehr und Mobilität setzt der Landkreis auf Innovationen:
- ÖPNV-Offensive: Neben dem erfolgreichen, im Dezember 2023 eingeführten ÖPNV-Konzept und dem Einsatz von vier Wasserstoffbussen im Westallgäu wurde im zuständigen Ausschuss ein weiterer wichtiger Prüfauftrag auf den Weg gebracht. So soll geprüft werden, in welchem Maße der erneuerbare Dieselkraftstoff HVO100 als nachhaltige Brückentechnologie für den Betrieb der bestehenden Regionalbusflotte eingesetzt werden kann, sofern entsprechende Herstellerfreigaben und wirtschaftliche Rahmenbedingungen vorliegen.
- Fahrradfreundlicher Landkreis: Erst kürzlich, am 13. Oktober 2026, absolvierte der Landkreis die Hauptbereisung der AGFK Bayern mit Bravour; die Bewertungskommission empfahl offiziell die Zertifizierung, die im Februar vollzogen wird.
- Lückenschluss im Radnetz: Durch kontinuierliche Neubauten wie an den Kreisstraßen LI 15, LI 6 oder LI 5 wird das Alltagsradnetz konsequent ausgebaut, um den Radverkehrsanteil im Modal Split in den kommenden Jahren um weitere 5 Prozent zu steigern.
Vorzeigeprojekte im Moor- und Naturschutz
Einen unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten zudem die rund 9 Prozent Moorflächen im Landkreis. Dank länderübergreifender Projekte wie dem Moorschutzprojekt Degermoos und gezielten Wiedervernässungen (wie in den Trogener Mooren oder am Finckenmoos) werden große Mengen CO₂ dauerhaft gebunden. Begleitet wird dies durch das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP), bei dem im Jahr 2026 rund 1.400 Hektar Fläche von über 400 Vertragsnehmern mit einem Gesamtvolumen von mehr als 832.000 Euro gefördert werden.