Kreisausschuss berät über Petition zur Krankenhausversorgung im Westallgäu
Lindau (Bodensee) – In seiner nächsten Sitzung befasst sich der Kreisausschuss in öffentlicher Sitzung mit einer Online-Petition zur Krankenhausversorgung im Westallgäu. Die Petition mit dem Titel „Wir brauchen wieder ein Krankenhaus im Westallgäu“ wurde Anfang Februar auf der Plattform Change.org gestartet und am 21. Februar 2026 an Landrat und Landkreis übergeben.
Der Landkreis nimmt die mit der Petition verbundenen Anliegen sehr ernst. Die Schließung der Rotkreuzklinik in Lindenberg hat bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Sorgen und Ängste ausgelöst. „Den Wunsch nach einer verlässlichen und wohnortnahen, medizinischen Versorgung kann ich voll und ganz nachvollziehen“, so Landrat Elmar Stegmann.
Gleichzeitig steht die Krankenhauslandschaft bundesweit seit Jahren vor tiefgreifenden Veränderungen. Medizinischer Fortschritt ermöglicht heute viele Behandlungen ambulant oder mit deutlich kürzeren Klinikaufenthalten. Zugleich steigen Spezialisierungsanforderungen und Qualitätsvorgaben. Hinzu kommt ein erheblicher Fachkräftemangel im ärztlichen und pflegerischen Bereich. Diese Entwicklungen führen dazu, dass kleinere Krankenhausstrukturen zunehmend unter Druck geraten.
Vor diesem Hintergrund hatte der Landkreis bereits ein Gutachten zur künftigen Krankenhausstruktur in Auftrag gegeben. Das Ergebnis war eindeutig: Eine zukunftsfähige Versorgung hätte in einer Zusammenführung der Standorte Lindenberg, Lindau und Wangen in einem gemeinsamen Haus bestanden. Dieses Modell hätte Personal gebündelt, Spezialisierungen ermöglicht und die Versorgungsqualität langfristig gesichert. Nach dem Rückzug des Landes Baden-Württemberg wird nun geprüft, wie durch verstärkte Kooperationen bestehender Kliniken das Angebot weiter gesichert und verbessert werden kann.
Ein zusätzliches Krankenhaus im Westallgäu – etwa am früheren Standort der Rotkreuzklinik – würde nach den vorliegenden Erkenntnissen weder die angespannte Personalsituation berücksichtigen noch ausreichend Fallzahlen erreichen, um eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen. Es bestünde vielmehr die Gefahr neuer Doppelstrukturen, die weder Patientinnen und Patienten noch den Mitarbeitern dauerhaft gerecht werden können.
Parallel zur stationären Versorgung arbeitet der Landkreis auch an einem Konzept für eine nachhaltige ambulante Gesundheitsversorgung. Denn für eine gute medizinische Versorgung müssen stationäre und ambulante Angebote ineinandergreifen und sich optimal ergänzen. Geplant ist unter anderem die Einrichtung mindestens eines hausärztlichen Medizinischen Versorgungszentrums in Lindenberg, um offene Hausarztsitze zu besetzen und die wohnortnahe Versorgung zu stärken. Ergänzend ist eine Anlaufstelle für akute, nicht lebensbedrohliche Fälle mit erweiterten Öffnungszeiten vorgesehen.
Der Kreisausschuss wird in seiner Sitzung am Donnerstag, 5. März 2026, um 14:30 Uhr, im Sitzungszimmer 332, Bregenzer Straße 35, über die Petition beraten und dem Kreistag eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen geben. Insgesamt wurden mit der Petition 4.546 Unterschriften eingereicht. Knapp 2.000 entfallen auf den Landkreis Lindau (Bodensee), etwa 500 Stimmen auf die Stadt Lindau und diejenigen Gemeinden, die im Einzugsgebiet der Asklepios Klinik Lindau sind. Die übrigen Stimmen verteilen sich auf das gesamte bundesdeutsche Gebiet, eine Unterschrift kommt aus Wien.
