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26.10.2021

Friedrich-Loeffler-Institut schätzt Auftreten der Geflügelpest in Deutschland als hoch ein +++ Erster Fall bereits im bayerischen Landkreis Cham

Lindau (Bodensee) - Nachdem 2020/2021 Mitteleuropa von einem der schwersten Geflügelpestgeschehen überhaupt betroffen war, mit einer Reihe von Ausbrüchen bei Wildvögeln und vor allem in vielen Hausgeflügelbeständen in Deutschland und auch in Bayern, hat sich die Lage in Deutschland im Sommer 2021 beruhigt. In den nordischen Ländern Europas gab es jedoch über den Sommer hinweg konstant weitere Nachweise von Hochpathogenen Aviären Influenzaviren (HPAIV) vom Typ H5 bei Wildvögeln. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stuft das Risiko eines erneuten Auftretens von HPAIV H5 in Deutschland im Laufe der Herbstmonate insgesamt als hoch ein. Das Veterinäramt des Landkreises Lindau bitte deshalb auch alle Geflügelhalter im Landkreis die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen einzuhalten, um die Geflügelbestände vor einem Eintrag des Erregers zu schützen sowie eine mögliche weitere Verbreitung zu vermeiden.

Seit Anfang September 2021 gab es wieder einige HPAI-Fälle beim Hausgeflügel in Belgien, Luxemburg, Frankreich und in der Tschechischen Republik sowie bei Wildvögeln in Frankreich, den Niederlanden und in Skandinavien. Die ersten Nachweise aus Deutschland wurden am 15. Oktober aus Schleswig-Holstein gemeldet. Aktuell sind bereits vier Bundesländer betroffen. In Bayern wurde am 21. Oktober 2021 eine HPAIV H5N1 Infektion bei einer gesund erlegten Krickente im Landkreis Cham, welche im Rahmen des bayerischen Wildvogelmonitorings untersucht wurde, bestätigt. Alle im Rahmen des bayerischen Wildvogelmonitorings im Landkreis Lindau bisher untersuchten Proben waren negativ.

Die ersten Fälle der Aviären Influenza bei Wildenten in diesem Herbst zeigen, dass auch klinisch gesund erscheinendes Wassergeflügel HPAIV vermehren und ausscheiden kann. Durch die Mobilität dieser gesunden Tiere z. B. bei der Futtersuche oder bei der Balz besteht ein zusätzliches Risiko für die AI-Einschleppung in Nutzgeflügelbestände. Über Zugvögel, die aktuell noch Bayern erreichen, besteht weiterhin eine erhebliche Einschleppungsgefahr. Unter Einbezug der Risikoeinschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts, der aktuellen, sehr dynamischen Entwicklung der Lage in Norddeutschland sowie in den Nachbarstaaten, muss aktuell auch für Bayern von einem hohen Risiko des Weiteren HPAIV-Eintrages in die Wildvogelpopulation ausgegangen werden. In der Folge steigt auch das Risiko eines Eintrages in Nutz- und Wirtschaftsgeflügelbestände relevant an.

Daraus ergibt sich das Erfordernis, Maßnahmen zur Früherkennung der Geflügelpest bei Wild- und Hausgeflügel und zum Schutz der Geflügelbestände konsequent umzusetzen. Die Einhaltung der generellen Biosicherheitsanforderungen nach GeflPestSchV in Haus- und Nutzgeflügelbetrieben ist essentiell. Dazu gehört, dass Geflügelbestände nicht von betriebsfremden Personen betreten werden, dass das Betreten der Haltungen nur mit betriebseigener Kleidung unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen erfolgt, Nutzgeflügel aus der Haltung nicht entweichen kann, Futter und Einstreu wildvogelsicher gelagert werden, Wildgeflügel nicht gefüttert wird und eine konsequente Schadnagerbekämpfung erfolgt. Tierhalter sind grundsätzlich aufgefordert auf mögliche Erkrankungen beim Geflügel zu achten und bei Auffälligkeiten in jedem Fall einen Tierarzt hinzuzuziehen.

Weitere Informationen hierzu können auch dem Merkblatt des Friedrich-Loeffler-Instituts „Schutzmaßnahmen gegen die Geflügelpest in Kleinhaltungen“ entnommen werden.

Geflügelhaltungen im Landkreis Lindau müssen dem Veterinäramt (Tel. 08382-270 502) unter Angabe von Namen, Anschrift, Anzahl und Standort der gehaltenen Tiere sowie Haltung in Freiland- oder Stallhaltung angezeigt werden. Außerdem sollten auffälliges Verhalten und Totfunde bei Wildvögeln dem Veterinäramt zur Bergung und Untersuchung gemeldet werden.

Die Entwicklung der Infektionslage in den kommenden Wochen und Monaten ist entscheidend für die Abwägung weiterführender Schutzmaßnahmen. Da mit einer Verschärfung der Seuchenlage im Herbst und Winter gerechnet werden muss, können weitergehende Maßnahmen zur Sicherheit der Hausgeflügelbestände erforderlich werden (z. B. Aufstallungspflicht). Darauf sollten sich Geflügelhalter bereits jetzt vorbereiten.