Direkt zu:

07.12.2017

"Draußen umgeschaut" Dezember 2017 / Januar 2018 - Die Kolbenente

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

In den kommenden Monaten überwintern wieder viele Wasservögel auf dem Bodensee, eine davon ist die Kolbenente. Diese Ente ist etwa so groß wie die weithin bekannte Stockente. Sie hat einen eher massigen Körper und einen runden Kopf. Der Erpel fällt im Prachtkleid durch seinen leuchtend korallenroten Schnabel und fuchsroten Kopf auf. Das Fiederkleid ist in schwarz, weiß und braun und die Iris seiner Augen immer rot gefärbt. Im Schlichtkleid ähnelt er der Ente, die ganzjährig eher unscheinbar in Brauntönen, bis auf hellgraue Wangen und einem deutlich dunkleren Scheitel, schattiert ist. Ihre Iris ist dunkel gefärbt. Im Flug sind beide durch einen breiten weißen Flügelstreif gut zu erkennen. 

Bereits im Sommer kommt die Kolbenente in großer Zahl an den Bodensee, um ihr Gefieder zu wechseln. Zunächst nur die Erpel, nach vollbrachtem Brutgeschäft dann auch die Weibchen. Seit den 1990iger Jahren überwintern diese Tauchenten hier in zunehmender Zahl. Ein Grund für diese Veränderung ist die verbesserte Wasserqualität des Bodensees und der damit einhergehenden Erholung der Bestände an bestimmten Wasserpflanzen: den Armleuchteralgen (Characeen). Die Kolbenente ist ein tauchender und gründelnder Pflanzenfresser, der sich vornehmlich von diesen Armleuchteralgen und Laichkräutern (Potamogeton spec.) ernährt. So profitiert diese Ente von der besseren Wasserqualität des Bodensees. Übrigens müssen sich mausernde und überwinternde Wasservögel aller Art ihre Kräfte gut einteilen, um zu überleben. Daher brauchen sie viel Ruhe und ungestörte Gebiete, wo sie nicht kraftraubend aufgeschreckt werden.

Ab März ziehen die meisten Kolbenenten in ihre Brutgebiete. Wenige bleiben im Bodenseegebiet, um zu brüten. Die Kolbenente ist in ganz Bayern ein sehr seltener Brutvogel, deren Bestand sich seit längerem positiv entwickelt. Bei der Balz kann man manchmal ein für Entenvögel einmaliges Verhalten beobachten: verpaarte Männchen überreichen ihren Weibchen ertauchte Wasserpflanzen. Die Brutzeit dauert von Ende April bis Ende August. Einmal pro Jahr werden dann an einem gut versteckten Nistplatz meist 8-11 Eier bis 28 Tage bebrütet. Die Jungen werden dann etwa zwei Monate geführt. Zuweilen geben Kolbenenten ihre elterlichen Pflichten weiter: Eier werden auch in die Nester anderer Enten wie beispielsweise von Stock-, Reiher- oder Tafelente gelegt.

Quellen/Literatur:

Bezzel, E. et al (2005) Brutvögel in Bayern. Verbreitung 1996-1999, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.

Rödl, T. et al. (2012) Atlas der Brutvögel in Bayern. Verbreitung 2005 bis 2009, Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer.

Lenz, N. & Hafen, A. (1997): Entenparadies Bodensee, Verlag Stadler.

Puchta, A. (2002): Steinbachs Naturführer: Wasservögel; Mosaik Verlage.

Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (2017): Ornithologische Rundbriefe für den Bodensee Nr. 224, Bericht über Winter 2016/17.

Svensson, L. et al. (2011) Der Kosmos Vogelführer, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart.

Vogelwarte Sempach, Schweiz: http://www.vogelwarte.ch/de/voegel/voegel-der-schweiz/kolbenente
 

Text: Michaela Berghofer, Fotos: Anne Puchta