Direkt zu:

11.06.2019

"Draußen umgeschaut" Juni/Juli 2019 - Die Kuckucks-Lichtnelke

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des Landschaftspflegeverband beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Dieses Mal möchten wir eine hübsch anzuschauende Vertreterin unserer heimischen Wiesen, die Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi) vorstellen. Der Artname „flos-cuculi“ geht wohl auf den sogenannten „Kuckucksspeichel“ zurück, den man im Mai und Juni oft an dieser Lichtnelke findet. Dabei handelt es sich um die Larven der Schaumzikade, die in weißem Schaum eingebettet sind und Pflanzensaft saugen. Dieser Kuckucksspeichel wurde mit den Revierrufen des Kuckucks in Verbindung gebracht.

Die zarte Pflanze mit schmal-lanzettlichen Blättern gehört zu den Nelkengewächsen (Caryophyllaceae). Sie kann bis 80 cm hoch werden. Durch ihre zerteilten Kronblätter ist diese leuchtend rosa blühende Lichtnelke gut zu erkennen. Jede Pflanze trägt mehrere Blüten, die in einer lockeren Rispe stehen. Bestäubt wird sie von Faltern, Fliegen und Bienen. Bei uns im Landkreis Lindau ist die von Mai bis in den Juli blühende Art noch häufiger anzutreffen.

Die Kuckuckslichtnelke findet ihren Lebensraum vor allem in Feuchtwiesen. Hier kommt sie beispielsweise in nährstoffreicheren Sumpfdotterblumenwiesen, die in der Regel zweimal pro Jahr gemäht werden, vor. Sie wächst oft gemeinsam mit Bach-Kratzdistel, Sumpf-Vergissmeinnicht oder Scharfem Hahnenfuß. In Mitteleuropa können bis zu 60 verschiedene Pflanzenarten auf einem Quadratmeter extensiv genutzter Wiese vorkommen. Auf solch artenreichen Wiesen schwirren und summen zudem vielerlei Insekten. Heute sind solche Wiesen mit all ihren Bewohnern selten geworden, denn der Großteil der Grünlandfläche wird intensiv bewirtschaftet. Solche meist mit Gülle gedüngten und artenarmen Wiesen werden nicht nur vielfach, sondern auch schon früh im Jahr gemäht. Im bayernweiten Durchschnitt kommen gegenwärtig im Grünland 19 Pflanzenarten auf 25 m² Fläche vor. Dabei dominieren verschiedene, oft auch nachgesäte, Grasarten und im Frühjahr vielerorts der Löwenzahn. Krautige Pflanzen treten in den Hintergrund, denn die meisten Kräuter kommen mit einer intensiven Nutzung nicht zurecht. Sie können nicht mehr Blühen oder gar Samen bilden. Damit verlieren auch viele Insekten ihren Lebensraum. Durch den Verlust von Lebensräumen und der Artenvielfalt nehmen die für uns unsichtbaren Dienstleistungen der Natur, wie Bestäubung oder Schädlingsbekämpfung, ab.


Quellen/Literatur:

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/082759/index.php
Bosshard A. (2016): Das Naturwiesland in der Schweiz und Mitteleuropa, Haupt-Verlag, Bern.
Düll R. & Kutzelnigg H. (2011): Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7.Auflage, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim
Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung, Bd. 2, IHW-Verlag, Eching
Info-Flora Schweiz: https://www.infoflora.ch/de/flora/silene-flos-cuculi.html


Text/Foto: Michaela Berghofer