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04.12.2018

"Draußen umgeschaut" Dezember 2018/Januar 2019 - Die Reiherente

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des Landschaftspflegeverband beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

In den kommenden Monaten überwintern wieder viele Wasservögel auf dem Bodensee, dazu gehört auch die Reiherente (Aythya fuligula). Gegenwärtig werden in den Wintermonaten Januar und Februar über 65.000 Tiere dieser Art im Bodensee gezählt. Diese Ente ist deutlich kleiner als die weithin bekannte Stockente. Sie hat einen gedrungenen Körper, mit kurzem Hals, einen eher großem Kopf und Augen mit gelber Iris. Der Schnabel der Reiherente ist grau mit einer schwarzen Schnabelspitze. Der Erpel  der Reiherente fällt im Prachtkleid durch eine klar gegliederte schwarz-weiße Zeichnung und einem langen Federschopf am Kopf auf. Im Schlichtkleid ähnelt er der Ente, die ganzjährig unscheinbar in Brauntönen mit hellerer Flanke gefärbt ist. Der Federschopf am Kopf der Ente ist deutlich kürzer. Manche Weibchen tragen oberhalb des Schnabels eine weiße Färbung, weshalb man sie mit der auch im Winter seltenen Bergente verwechseln könnte.

Die Reiherente, gehört wie die nahe verwandte Tafelente, zu den Tauchenten, also Enten die nach ihrer Nahrung tauchen. Die Erpel der Reiherente schaffen es bis in eine Tiefe von 10 m. Die Reiherente bevorzugt tierische Nahrung, die im Winter hauptsächlich aus Muscheln besteht. Heutzutage ernährt sie sich vor allem von der Dreikant- oder Wandermuschel (Dreissena polymorpha), die in den 60iger Jahren in den Bodensee eingeschleppt wurde. Tagsüber ruhen Reiher- und Tafelenten, den Kopf ins Gefieder gesteckt, oft gemeinsam in großen Trupps auf dem See. Tauchenten sind im Winter vornehmlich dämmerungs- und nachaktiv. Da sie ihre Nahrung ertasten können, sind sie dabei nicht auf Licht angewiesen. In der Nacht können sie so in Bereichen des Bodensees nach Nahrung suchen, die tagsüber belebt und beunruhigt sind. Übrigens müssen sich überwinternde und mausernde Wasservögel aller Art ihre Kräfte gut einteilen, um zu überleben. Daher brauchen sie viel Ruhe und ungestörte Bereiche im See, wo sie nicht aufgeschreckt werden und damit wertvolle Energiereserven verlieren.

Auch im Sommer findet man die Reiherente auf dem Bodensee, aber in deutlich geringeren Mengen. Zum einen gibt es sehr wenige Brutpaare. Ihre Brutzeit erstreckt sich von Mai bis in den August hinein. In einer Jahresbrut werden 6-14 Eier in etwa 24 Tagen ausgebrütet. Die Nestlingszeit beträgt zwischen 45-50 Tage. Die Küken werden von Weibchen geführt, das gerne auch die Küken anderer Entenarten adoptiert. Zum anderen gibt es im späteren Jahresverlauf bis zu 500 Reiherenten, die sich während ihrer Schwingenmauser im Bodensee aufhalten. In dieser Zeit sind sie flugunfähig und besonders empfindlich gegen Störungen.

Quellen/Literatur:

  • Bezzel, E. et al (2005) Brutvögel in Bayern. Verbreitung 1996-1999, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.
  • Rödl, T. et al. (2012) Atlas der Brutvögel in Bayern. Verbreitung 2005 bis 2009, Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer.
  • Lenz, N. & Hafen, A. (1997): Entenparadies Bodensee, Verlag Stadler.
  • Svensson, L. et al. (2018) Der Kosmos Vogelführer, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart.
  • Werner, S., Bauer, H.-G., Heine, G., Jacoby, H. & Stark, H. (2018): 55 Jahre Wasservogelzählung am Bodensee: Bestandsentwicklung der Wasservögel von 1961/62 bis 2015/16. Ornithologischer Beobachter, Beiheft 13.
  • Puchta, A. (2002): Steinbachs Naturführer: Wasservögel; Mosaik Verlage.
  • Vogelwarte Sempach, Schweiz

Text: Michaela Berghofer, fachliche Durchsicht: Anne Puchta; Fotos: Anne Puchta/Michaela Berghofer