Direkt zu:

22.03.2019

Neuer Schnitt für alte Bäume seit 2014 - Ein Projekt zur Pflege von Streuobstbäumen des Landschaftspflegeverbands Lindau-Westallgäu e.V.

Auch heute gehören im Landkreis Lindau Streuobstwiesen noch zum typischen Bild der heimischen Kulturlandschaft, die uns jetzt im nahenden im Frühling mit ihrer Blütenpracht erfreuen werden. Doch was früher wesentlicher Teil der bäuerlichen Landwirtschaft war, droht heute allmählich zu verschwinden. Im Landkreis wird viel getan, was die Nutzung des Obstes oder die Nachpflanzung betrifft, doch herrscht auf den landwirtschaftlich genutzten Streuobstwiesen vielerorts ein Mangel an Pflege. Die Bäume werden aus verschiedenen Gründen nicht mehr geschnitten, sind vergreist und oft mit Misteln bewachsen. Dieser „Pflegemangel“ trägt dazu bei, dass Obstbäume vorzeitig zusammenbrechen, umfallen und beseitigt werden. Der Schnee, der Anfang des Jahres auf den Bäumen lastete, führte auch zu vermehrtem Astbruch und nachthaltigen Schäden bei lange nicht mehr geschnittenen Streuobstbäumen. Insgesamt gehen so nach und nach nicht nur die landschaftsprägenden Streuobstwiesen, sondern auch wertvolle Lebensräume für Wildbienen oder andere Insekten sowie viele Vogelarten verloren.

Seit 2014 setzt der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. ein Projekt zur Pflege von Streuobstbaumen auf landwirtschaftlichen Flächen um. Im ersten Jahr wurden knapp hundert Bäume, im darauffolgenden Jahr bereits über 250 Bäume geschnitten. In den in den vergangenen Jahren wurden über 1.100 Bäume gepflegt. In dieser Schnittsaison stehen über 400 Bäume auf 44 Streuobstwiesen auf dem Plan, die nur bei guter Witterung alle geschafft werden können. Die Nachfrage ist groß und viele Besitzer von Streuobstwiesen mussten bereits auf den kommenden Winter vertröstet werden.

Die Arbeiten werden von einer jungen Schnitttruppe ausgeführt, die von einer erfahrenen Obstbaumeisterin begleitet werden. Die Bäume werden fachkundig unter Beachtung ökologischer Kriterien geschnitten. So werden beispielsweise an mancher Stelle Totholz belassen oder Baumhöhlen erhalten, die Lebensraum für verschiedenste Tierarten bieten. Um zusätzlichen Wohnraum für Brutvögel zu schaffen, hat die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Lindau zwei verschiedene Nistkastentypen mit unterschiedlich großen Einfluglöchern, die damit von verschiedenen Vogelarten genutzt werden können, finanziert. Soweit die Besitzer der Streuobstwiesen sich einverstanden erklären, werden pro Wiese 2 Nistkästen kostenlos zur Verfügung gestellt. So finden beispielsweise Star, Kleiber, Spechte, Meisen oder Sperlinge hier neue Brutplätze. Das gesamte Projekt soll langfristig dazu beitragen, die für den Landkreis Lindau charakteristischen Streuobstwiesen als strukturreiche Lebensräume und landschaftsästhetisch wertvolle Bestandteile unserer Kulturlandschaft für die Naherholung und den Tourismus zu erhalten.

Die Eigentümer der Obstbäume zahlen für den Pflegeschnitt je nach Aufwand einen Beitrag zwischen 5 und 35 € pro Baum. Die restlichen Kosten für dieses Projekt werden zu 70% über die Bayerischen Landschafspflege- und Naturparkrichtlinien vom Freistaat Bayern und zu 20% von den Gemeinden im Landkreis gefördert. Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e.V. beantragt die Fördermittel über die Regierung von Schwaben und übernimmt den Eigenanteil von 10%.

Text: Michaela Berghofer/ Holger Bayer, Fotos: Michaela Berghofer