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05.08.2020

"Draußen umgeschaut" - August/September 2020 - Der Kaisermantel

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

August/September 2020 - Der Kaisermantel

Dieses Mal stellen wir einen Tagfalter vor, der uns nun im Hochsommer bei Wanderungen an strukturreichen, sonnigen Waldwegen entgegen flattern kann: der Kaisermantel (Argynnis paphia). Er ist ein typischer Waldschmetterling und einer der größeren Vertreter der Familie der Edelfalter (Nymphalaidae), die meist mit Flecken oder Binden auffällig bunt gefärbt sind. Der Kaisermantel gehört in dieser artenreichen Familie zu den Perlmutterfaltern, deren Flügeloberseite meist leuchtend orange gefärbt ist und ein dunkles Muster trägt. Die Flügelunterseite besitzt wie Perlmutt schimmernde Flecken. Am Kaisermantel ist zudem besonders, dass die Männchen auf der Flügeloberseite mehrere dunkler gefärbte, parallel verlaufende Adern mit Duftschuppen besitzen. Über diese Duftschuppen strömen Pheromone aus, die die Weibchen anlocken.

Der Kaisermantel ist in den Wäldern Bayerns und so auch im Landkreis Lindau noch häufig anzutreffen. Er kommt eben an Waldwegen, aber auch in Waldlichtungen oder vom Wald eingefasste Wiesen bis etwa 1.500 m Höhe vor. Neuerdings soll er auch in Gärten oder Gebüsch an Stadträndern auftreten. Die erwachsenen Kaisermäntel saugen Nektar unter anderem an verschiedenen Distelarten, Wasserdost, Echtem Dost, Brombeeren oder Linden, wo man sie an warmen sonnigen Tagen oft zu mehreren antreffen kann.Dieser Tagfalter fliegt in einer Generation von Juni bis in den späten September hinein. Das Weibchen sucht sich den Eiablageplatz mit auffälligen Flugmanövern aus, denn der Platz muss zwei Bedingungen erfüllen: einerseits müssen Veilchen-Arten am Waldboden wachsen, andererseits müssen Bäume mit grober oder rissiger Rinde vorhanden sein. Die Eier werden an der Rinde abgelegt. Hier schlüpft und überwintert die Raupe als sogenannte Eiraupe, also im ersten Larvenstadium. Im Frühling wandern die jungen Raupen dann abwärts zu den Veilchen, um sich dort nach und nach zum Falter zu entwickeln.

Viele unserer heimischen Tagfalter stehen mittlerweile auf der Roten Liste: von 169 in Bayern bewerteten Arten sind derzeit 100, also 59%, als gefährdet eingestuft. Für den Kaisermantel gilt dies noch nicht. Damit wir diesen hübschen Tagfalter auch weiterhin noch häufig sehen dürfen, sollten beispielweise reich strukturiere und natürliche Waldsäume erhalten werden.

Quellen/Literatur:
Bräu, M., Bolz, R., Kolbeck, H., Nummer, A., Voith, J., Wolf, W. (2013): Tagfalter in Bayern, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart
Stettmer, Ch., Bräu M., Gros P., Wanninger O. (2007): Die Tagfalter Bayers und Österreichs, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (Hrsg.)
Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.) (2016): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Lepidoptera: Rhopalocera) Bayerns - Stand 2016
http://www.tagfalter-monitoring.de