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02.02.2021

"Draußen umgeschaut"für Februar/März 2021

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Februar/März

In den Wintermonaten kann man die oft kugelrunden Misteln in jetzt kahlen Laubbäumen, wie Apfelbaum oder Pappel, besonders gut sehen. Es ist die Laubholz-Mistel (Viscum album subsp. album), die hier im Landkreis vor allem in der Nähe des Bodensees häufiger zu finden ist. Sie wird seltener je weiter man Richtung Berge kommt. Neben der Laubholz-Mistel sind in Südbayern auch die Tannen-Mistel (Viscum album subsp. abietis), die nur auf der Tanne siedelt, und sehr selten die Kiefer-Mistel (Viscum laxum) verbreitet. Der lateinische Gattungsname „Viscum“ heißt übrigens Leim.

Die Blätter der Laubholz-Mistel sind gelblich-grün und ledrig. Sie blüht unscheinbar zeitig im Jahr ab März und wird vor allem von Fliegen bestäubt. Die Pflanze besitzt weiße Beeren als Früchte, die gerne von Vögeln wie der Misteldrossel gefressen werden. Das klebrige Fruchtfleisch mit den Samen wird mit dem Kot ausgeschieden und bleibt an Ästen kleben. So wird die Art von Baum zu Baum verbreitet. Sie kann an einem befallenen Baum auch vegetativ neue Tochterpflanzen bilden. Misteln sind Halbschmarotzer. Sie wurzeln auf Holz und nutzen mit den sogenannten Haustorien, dies sind Saugorgane parasitisch lebender Pflanzen, die Wasser- und Nährstoffversorgung des betroffenen Baums. An den grün gefärbten Blättern kann man erkennen, dass die Mistel noch selbst Photosynthese betreibt. Die verholzende Pflanze kann weit über 30 Jahre alt werden. Sie erreicht dann einen Durchmesser von einem Meter.

Die Laubholz-Mistel steht in Bayern auf der Vorwarnstufe der Roten Liste. Dies bedeutet, dass die Art derzeit zwar nicht gefährdet ist, doch ein stetiger Rückgang erkennbar ist. Trotzdem scheint sich diese Mistelart bei uns hier wohl eher auszubreiten. Zum Problem wird sie vor allem in alten Streuobstbäumen, die viele Jahre nicht mehr gepflegt wurden und oft über und über mit Misteln besetzt sind. Sie gefährden langfristig die Vitalität der Bäume und fördern damit, vor allem im Winter, den Astbruch.

Um die Mistel, die auch Hexenbesen genannt wird, ranken seit langer Zeit viele Mythen. So sprach man der Pflanze im Mittelalter schützende Wirkung gegen alles Böse zu. In der Heilkunde wird sie heute bei Unregelmäßigkeiten mit dem Blutdruck verwendet. Und schon bei den Römern wurde aus Misteln Vogelleim für den Vogelfang hergestellt.

Quellen:

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung, Bd. 2, IHW-Verlag, Eching

Düll R. & Kutzelnigg H. (2011): Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7. Auflage, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim

Bosch, H.-Th., Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (2016):  Naturgemäße Kronenpflege am Obsthochstamm

Bayerischer Informationsknoten Botanik: BIB - Steckbriefe Gefäßpflanzen (bayernflora.de)

 

Text/Fotos: Michaela Berghofer, fachliche Durchsicht: Bernd Brunner