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16.06.2021

"Draußen umgeschaut" Juni/Juli 2021 - Die Rote Lichtnelke

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Gerade im Frühsommer sind die purpurroten Blüten der Roten Lichtnelke (Silene dioica) auffällig und ein schöner Hingucker. Die Rote Lichtnelke wächst vornehmlich auf frischen bis feuchten Wiesen, an lichten Waldsäumen und Gebüschen sowie in Hochstaudenfluren. Dabei bevorzugt sie nährstoffreiche Böden, auf denen sie bis zu 90 cm hoch wächst. Sie blüht von April bis in den September hinein. Der Stängel der Roten Lichtnelke ist dicht behaart und dadurch auch ohne Blüte gut erkennbar. Die Art ist sehr anpassungsfähig und daher auch von der Ebene bis ins Hochgebirge zu finden. Im Landkreis Lindau ist sie weit verbreitet. Der höchste bekannte Standort in Bayern liegt am Kreuzeck bei Oberstdorf auf 2.364 m ü. NN. Der Bestand dieser Lichtnelkenart ist in Bayern nicht bedroht.

Die Blüten der Roten Lichtnelke sind tagsüber geöffnet. Im Gegensatz zu ihrer Verwandten, der Weißen Lichtnelke (Silene latifolia), die erst in den späten Nachmittagsstunden ihre duftenden Blüten öffnet, sind die Blüten der Roten Lichtnelke geruchslos. Die bis zu 25 mm breiten roten Blüten mit langem Kelch werden vor allem von langrüsseligen Hummeln, Faltern und Schwebfliegen bestäubt. Die reifen Samen werden durch Wind, Wasser aber auch Tiere verbreitet. Der Artname dioica beschreibt die Zweihäusigkeit der Roten Lichtnelke. Das bedeutet, dass männliche und weibliche Blüten auf getrennten Pflanzen wachsen, welche jedoch räumlich nah beieinanderstehen müssen, um eine erfolgreiche Bestäubung zu ermöglichen.

In der Volksmedizin wurden die zerstoßenen Samen der Roten Lichtnelke gegen das Gift von Schlangenbissen eingesetzt. Früher wurden die Wurzeln der Pflanze wie Seife verwendet.

Quellen/Literatur:
Jäger E. J. (2017): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland, 21. Auflage, Gefäßpflanzen Grundband, Springer-Verlag Berlin Heidelberg
Düll R. / Kutzelnigg H., (7. Korrigierte und erweiterte Auflage 2011) Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, QUELLE & MEYER Verlag Wiebelsheim
Dörr E. & Lippert W. (2001): Flora des Allgäus und seiner Umgebung, Bd. 1, IHW-Verlag, Eching
http://daten.bayernflora.de/de/info_pflanzen.php?taxnr=5592&suchtext=silene%20dioica&g=&de= 
https://www.floraweb.de/pflanzenarten/artenhome.xsql?suchnr=5592& 

Text: Julia Greulich und Michaela Berghofer / Fotos: Julia Greulich