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03.04.2020

"Draußen umgeschaut" - April/Mai 2020 - Der Feldhase

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Wer kennt ihn nicht, den Osterhasen, der uns an Ostern bunte Eier und Süßigkeiten bringt. Tatsächlich ist aber nicht genau geklärt, woher der Brauch zum Osterhasen kommt. Schriftlich erwähnt wird er zum ersten Mal von einem Medizinprofessor aus Heidelberg im 17. Jahrhundert. Als Symbol für Ostern hat sich der Hase erst im 19. Jahrhundert etabliert. Das Vorbild des Osterhasen ist wohl der Feldhase (Lepus europaeus).

Meister Lampe, wieder Feldhase in Fabeln genannt wird, wird bis 70 Zentimeter lang. Er hat, im Gegensatz zum wesentlich kleineren Kaninchen, lange Ohren mit einer schwarzen Spitze. Seine sehr langen Hinterläufe, machen ihn zu einem herausragenden Sprinter mit bis zu 70 km/h Geschwindigkeit und guten Springer mit bis zu 3 m Weite. Sein je nach Jahreszeit etwas unterschiedlich gefärbtes Fell tarnt ihn perfekt. Eine feine Unterwolle kombiniert mit einer derberen Grannenbehaarung schützt ihn gut gegen Nässe und Kälte. Er ist kurzsichtig, sieht aber Bewegungen besonders gut. Die seitlich stehenden Augen lassen ihn seine Umgebung nahezu vollständig erfassen. Der Hase ist Vegetarierer, der sich von Gras, Feldfrüchten, Obst, Samen wie Rinde ernährt. Feldhasen behalten ihr Revier ein Leben lang.

Der Feldhase ist ein scheuer Geselle, der sich als Einzelgänger erst in der Dämmerung auf die Suche nach Nahrung macht. Tagsüber sitzt er in einer gut geschützten Mulde, die sogenannte Sasse. Er ist ein Fluchttier. Bei Bedrohung durch beispielsweise Fuchs, Wildschwein oder Greifvögel bleibt der Feldhase so lange geduckt sitzen, bis der Feind zu nahe kommt. Dann flüchtet er blitzartig und schlägt plötzlich Hacken um seinen Verfolger abzuhängen. In der Paarungszeit, die im Januar beginnt, kann man mehrere Feldhasen auch tagsüber gemeinsam beobachten. Die Häsin wählt ihren Partner. Durch Wettläufe und Boxkämpfe muss der Hase zeigen, dass er die beste Wahl ist. Sie paart sich dann mehrmals mit verschiedenen Partnern. Die Tagzeit dauert etwa sechs Wochen. Pro Jahr sind bis zu vier Würfe mit mehreren Jungen möglich.

Als Lebensraum bevorzugt, der in ganz Europa verbreitete Feldhase, die offene, aber strukturreiche Landschaft mit einer vielfältigen, kleinparzellierten Nutzung aus Äckern, Wiesen, Weiden und Brachen. Man findet ihn vorwiegend in Tieflagen. In den Alpen kommt er bis in eine Höhe von 1.600 Metern vor. Laut der Deutschen Wildtierstiftung beherbergt Deutschland heute etwa 3 Millionen Feldhasen, doch ist der Bestand erheblich zurückgegangen. In Bayern ist er daher auf der Vorwarnstufe der Roten Liste zu finden. Neben den natürlichen Feinden hat vor allem der Mensch den Rückgang zu verantworten, denn Mester Lampe findet immer weniger geeignete Lebensräume und Nahrung. Dies ist Folge der fortschreitenden Intensivierung der Landwirtschaft, der Ausbreitung des intensiven Anbaus von Energiepflanzen, des anhaltenden Verlusts der Strukturvielfalt in unserer Landschaft, dem Straßen- und Wegebau und unserer Bautätigkeit in der freien Feldflur.

Quellen/Literatur:

Bayerisches Landesamt für Umwelt (2017): Rote Liste und kommentierte Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) Bayerns

https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/feldhase
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/sonstige-saeugetiere/16729.html
https://nrw.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/jagd/jagdbare-arten/weitere-saeugetiere/04940.html
http://www.wildtierportal.bayern.de/wildtiere_bayern/102456/index.php
https://www.katholisch.de/aktuelles/dossiers/ostern-das-fest-der-auferstehung
https://cms.vivat.de/themenwelten/jahreskreis/ostern/osterhase-bedeutung-herkunft.html

Text von Michaela Berghofer, Foto von Dr. Andreas Zahn