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03.04.2019

"Draußen umgeschaut" April/Mai 2019 - Der Haussperling

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des Landschaftspflegeverband beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Gerade pfeift es der Haussperling (Passer domesticus) lautstark von den Dächern: es wird Frühling. Der bis 16 cm große und eher robust gebaute Sperlingsvogel hat einen recht kräftigen Schnabel. Das Männchen ist im Vergleich zum Weibchen auffälliger mit schwarzen, grauen und braunen Partien am Körper gefärbt. Typisch ist das Tschilpen des Männchens während der Brautschau, das man unter www.deutsche-vogelstimmen.de anhören kann. Der Haussperling ist ein Jahres- oder Standvogel, der sich während des gesamten Jahres bei uns aufhält. Die erwachsenen Spatzen ernähren sich von Sämereien von Gräsern und Kräutern, die sie in Wiesen, am Wegrand und in Pflasterfugen finden. Aber auch „Fast Food“ in Form von Kuchen- oder Semmelbröseln wird nicht verschmäht. Besonders gerne nimmt der gesellige Vogel ein Staubbad, wofür er unversiegelte Bodenstellen braucht.

Für den Spatz ist es gerade an der Zeit sich häuslich für die Brut einzurichten. Er brütet ausschließlich in Siedlungen und gehört zu den sogenannten Gebäudebrütern, die Gebäude aller Art zum Nisten nutzen. Der Haussperling braucht Höhlen oder Nischen an Dächern oder Fassaden, in die er ein größeres, für unseren Geschmack unordentliches Kugelnest bauen kann. Selten nutzt er auch Bäume oder dichte Fassadenbegrünungen als Neststandort. Der Hausperling ist so gar nicht wählerisch bei der Auswahl seines Brutplatzes, aber an modernen Gebäuden findet nicht mal er mehr Gelegenheit zum Brüten. Der Haussperling brütet 1-2 pro Jahr mit 3-6 Eiern, die 11-12 Tage bebrütet werden. Die Nestlingszeit dauert 14-16 Tage, wobei die jungen Sperlinge mit Insekten gefüttert werden.

Eigentlich ist der Haussperling noch ein Allerweltsvogel, der bei den jährlichen Zählungen beispielsweise im Rahmen „Stunde der Wintervögel“ zumeist Spitzenplätze belegt. Doch darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der kleine Vogel, wie so viele andere auch, im Bestand rückläufig ist. Nachteilig wirkt sich neben dem, oft unbemerkten, Verlust und der Verknappung an Brutplätzen durch Sanierungen, auch der Nahrungsmangel aus, beispielweise aufgrund zunehmender Bodenversiegelung, einer zu häufigen Pflege von kommunalen Grünflächen sowie einer intensiven Landnutzung im Umland. Der Hausperling ist in Bayern auf der Roten Liste der Tierarten als Art der Vorwarnstufe gelistet. Seine Fortpflanzungs- oder Ruhestätten stehen unter gesetzlichem Schutz und dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.

Quellen/Literatur:
Bezzel, E. et al (2005) Brutvögel in Bayern. Verbreitung 1996-1999, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.

Glutz von Blotzheim, U.N. & K.M. Bauer (1997): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Bd. 14/I: Passeriformes (5. Teil). Passeridae – Vireonidae. Sperlinge, Vireos und Verwandte. Aula, Wiesbaden. Rödl, T. et al. (2012) Atlas der Brutvögel in Bayern. Verbreitung 2005 bis 2009, Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer.

Svensson, L. et al. (2018) Der Kosmos Vogelführer, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart.

Text: Michaela Berghofer, fachliche Durchsicht: Anne Puchta; Fotos: Anne Puchta/Michaela Berghofer