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Faire Beschaffung

In Deutschland betragen die Ausgaben der öffentlichen Hand für Güter, Dienstleistungen und Bauaufträge ca. 480 Mrd. Euro (ca. 19% des BIP). Davon entfallen gut 60% auf die Kommunen. Durch das Einfordern von Umwelt- und Sozialstandards und einer fairen Entlohnung können die Kommunen das Angebot der Unternehmen stark beeinflussen und letztlich die Arbeitsbedingungen vor Ort und in den Erzeugerländern verbessern. Denn Fairer Handel beruht auf dem Prinzip, dass gerechtere Handelsbedingungen weltweit gerechtere wirtschaftliche und soziale Verhältnisse schaffen können.

Die Faire Beschaffung bietet somit eine effektive und wirkungsvolle Möglichkeit, um Aspekte der Nachhaltigkeit in das tägliche Handeln der Kommunen zu integrieren und das Gemeinweisen im Landkreis Lindau (Bodensee) zu stärken. Mit der Verpflichtung und Umsetzung von Fairer Beschaffung übernehmen wir Verantwortung für die Eine Welt und werden unserer Vorbildfunktion als öffentlicher Beschaffer gerecht. Im Landkreis Lindau (Bodensee) wollen wir die Voraussetzungen dafür verbessern und folgende Aspekte angehen:

  • Beitrag zur Weiterentwicklung der nachhaltigen und fairen Beschaffung in der Verwaltung: Innerhalb der Verwaltung des Landkreises Lindau (Bodensee) soll der Anteil an Fairer Beschaffung erhöht und das Thema Nachhaltigkeit als Querschnittsaufgabe etabliert werden.
  • Konzept- und Maßnahmenerstellung: Nachhaltigkeit und Faire Beschaffung soll nicht nur in der Verwaltung praktiziert werden. Vielmehr sollen Anregungen und Ansätze entwickelt werden, die die kreisangehörigen Kommunen sowie die Unternehmen aus der Region zur Etablierung von Nachhaltigkeitskriterien übernehmen können.

 

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Weitere Informationen zur Fairen Beschaffung

Integration sozialer Kriterien in den Beschaffungsprozess

  • Direktkauf: Orientierung an Gütezeichen des Fairen Handels und mit sozialen Mindestkriterien, Einkauf im Weltladen
  • Freihändige Vergabe / Beschränkte Ausschreibung: Firmen anfragen, die Produkte nach Kriterien des Fairen Handels anbieten oder sich auf dem Weg dahin befinden. Einbindung der ILO-Kernarbeitsnormen und ggf. Kriterien des Fairen Handels in die Bedingungen zur Auftragsausführung oder Wertungskriterien.
  • Öffentliche Ausschreibung (bundesweit, EU-weit): Einbindung der ILO-Kernarbeitsnormen und ggf. Kriterien des Fairen Handels in die Bedingungen zur Auftragsausführung oder Wertungskriterien.
  • Mit kleinen Schritten vorangehen: Nachhaltigkeitskriterien ermitteln und auf dem neusten Stand bleiben!

Produktgruppen für die Faire Beschaffung

  • Textilien: Berufsbekleidung, Wäsche, Trikots, Handtücher und Bettwäsche
  • Baustoffe: Holz für Brücken, Zäune, Bänke, Bau oder Verschlag; Steine in Form von Pflastersteinen, Bordsteinen, Natursteinen für Treppen oder Grabsteine
  • Bürozubehör: Papier, Büromaterial und Möbel
  • IT: Elektronische Geräte wie Computer oder Monitore, Software
  • Geschenkartikel: Präsentkörbe, Blumen
  • Spielwaren: Fußbälle, Stofftiere, Luftballons oder sonstiges Spielzeug
  • Lebensmittel: Kaffee, Tee, Orangensaft, Obst und Süßigkeiten

Rechtliche Grundlagen für faire Beschaffung

  • Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mit weltweit anerkannten Sozialstandards
  • Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) – EU-Richtline 2014/24/EU Art. 18 Abs. 2: „Die Mitgliedstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um dafür zu sorgen, dass die Wirtschaftsteilnehmer bei der Ausführung öffentlicher Aufträge die geltenden umwelt-, sozial- und arbeitsrechtlichen Verpflichtungen einhalten, die durch Rechtsvorschriften der Union, einzelstaatliche Rechtsvorschriften, Tarifverträge oder die in Anhang X aufgeführten internationalen umwelt-, sozial- und arbeitsrechtlichen Vorschriften festgelegt sind.“
  • Deutsches Verfassungsrecht – Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen:
(GWB) § 97 Grundsätze der Vergabe: „(3) Bei der Vergabe werden Aspekte der Qualität und der Innovation sowie soziale und umweltbezogene Aspekte nach Maßgabe dieses Teils berücksichtigt.“ (GWB) § 127 Zuschlag: „(1) Der Zuschlag wird auf das wirtschaftlichste Angebot erteilt. Grundlage dafür ist eine Bewertung des öffentlichen Auftraggebers, ob und inwieweit das Angebot die vorgegebenen Zuschlagskriterien erfüllt. Das wirtschaftlichste Angebot bestimmt sich nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Zu dessen Ermittlung können neben dem Preis oder den Kosten auch qualitative, umweltbezogene oder soziale Aspekte berücksichtigt werden.“
  • Vergabe- und Vertragswesen in Bayern

     

     

     

    Für den Inhalt dieser Seite ist allein der Landkreis Lindau (Bodensee) verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Engagement Global gGmbH/ Servicestelle Kommunen in der Einen Welt und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wider.