Direkt zu:


26.05.2025

Integrationsbeirat Lindau begrüßt neue Mitglieder und engagiert sich für Arbeitsmarktintegration und Bildungsprojekte

Lindau (Bodensee) – Der Integrationsbeirat des Landkreises Lindau hat in seiner jüngsten Sitzung wichtige personelle und inhaltliche Weichen gestellt. Mit Halyna Yanyshivska und Hasan Maleky wurden zwei neue Mitglieder offiziell ins Gremium aufgenommen – Dr. Jörg Spennemann überreichte ihnen die Ernennungsurkunden. Zudem wurde Simon Keil als neue Vertretung der Diakonie Allgäu begrüßt. Die Berufungen selbst erfolgten durch den Kreistag bereits am 27. März 2025.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Sitzung lag auf der Vorstellung des Jobcenters Lindau durch die Leiterin Susanne Müller-Koberstein und die stellvertretende Teamleiterin, Franziska Bröder. Jobcenter oder Bundesagentur für Arbeit – zwei oft verwechselte Behörden mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Beide unterstützen bei der Arbeitsvermittlung, jedoch für unterschiedliche Zielgruppen. Die beiden Referentinnen gaben einen aufschlussreichen Überblick über die Aufgabenbereiche und erläuterten, mit welchen Herausforderungen besonders Menschen mit Migrationsgeschichte beim Zugang zum Arbeitsmarkt konfrontiert sind.

Das Jobcenter versteht sich nicht nur als Vermittlungsstelle, sondern bietet ganzheitliche Beratung, die die Lebensrealität der Menschen berücksichtigt. „Viele unserer Kundinnen und Kunden tragen einen sprichwörtlichen ‚Rucksack‘ mit sich – Schulden, gesundheitliche Belastungen oder familiäre Krisen. Da braucht es zunächst Stabilität im Alltag, bevor Arbeit überhaupt ein Thema sein kann“, betont Franziska Bröder.

Auch wenn einzelne Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft arbeiten, reicht das Einkommen oft nicht aus, um die ganze Familie zu versorgen – besonders bei Teilzeit oder Minijobs. Daher bleibt der Bedarf an ergänzenden Leistungen hoch.

„Zudem sei ein früher Arbeitsmarktzugang auch mit grundlegenden Sprachkenntnissen möglich“, erklärt Müller-Koberstein – insbesondere in praktischen Berufsfeldern. Ein zu starker Fokus auf formale Sprachnachweise könne Potenziale unnötig ungenutzt lassen.

In diesem Zusammenhang wird der Integrationsbeirat aktiv an der Jobbörse „Quereinstieg leicht gemacht“ am 25. Juni 2025 mitwirken. Die Mitglieder wollen Teilnehmende gezielt zur Teilnahme motivieren, begleiten und insbesondere sprachlich sowie organisatorisch unterstützen.

Darüber hinaus wurde eine Begleitung bei Beratungsterminen im Jobcenter angeregt. Mitglieder des Integrationsbeirats können dabei als Lotsen, Dolmetscher oder zur deeskalierenden Unterstützung bei möglichen Spannungen oder Missverständnissen fungieren. Ziel ist es, den Zugang zu Angeboten zu erleichtern und vertrauensvolle Brücken zwischen Institutionen und Hilfesuchenden zu bauen.

Ein weiterer kultureller Akzent wird mit der Wanderausstellung „Ein.Ort.Irgendwo“ gesetzt, die vom 19. Juni bis 3. Juli 2025 in der Stadtbücherei Lindau gezeigt wird. Die Ausstellung bietet eine humorvolle und zugleich kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht und ermöglicht neue Perspektiven auf gesellschaftliche Herausforderungen. In Kooperation mit global engagement und dem Bündnis WIR im Allgäu wird die Schau durchgeführt. Der Integrationsbeirat prüft derzeit, ob er die Organisation übernehmen kann.

Im Bildungsbereich steht zudem ein neues Projekt in den Startlöchern: Ab September 2025 startet ein von Rose Eitel-Schmid und Joseph Bastin initiiertes Präventionsprojekt gegen Rassismus und Diskriminierung an Schulen im oberen Landkreis. Es umfasst zwei Bausteine: eine „Verfassungsviertelstunde“ mit Zeitzeugenberichten von Integrationsbeiräten und eine begleitende Lesepatenschaft für Integrationsklassen der 5. und 6. Jahrgangsstufe.

Der Integrationsbeirat blickt auf mehrere gelungene Aktionen im Frühjahr zurück. Dazu zählen eine deutsch-türkische Vorleseaktion in der Stadtbücherei Lindenberg, ein gut besuchtes Frühlingsfest am Kopernikusplatz in Lindau-Zech sowie der Besuch junger Bürgerinnen und Bürger der Jungen Union in einer Flüchtlingsunterkunft in Weiler. Die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit war mit regelmäßigen Social-Media-Beiträgen aktiv und beteiligte sich zudem an einem Treffen mit dem Jobcenter zur Vorbereitung der künftigen Zusammenarbeit bei Jobbörsen.