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26.11.2025

Schätze des Dokumentationszentrums (Doku) Landkreis Lindau: »Ich kann jagen, schießen, schwimmen«

Lindau (Bodensee) – Die Großregion im Buch: Im Heimatkundlichen Dokumentationszentrum (Doku) des Landkreises Lindau in Weiler-Simmerberg gibt es eine Fülle von Druckwerken mit Wissenswertem und Interessantem aus den Landkreisen Lindau, Ravensburg und Konstanz, dem Bodenseekreis, Vorarlberg sowie den Schweizer Bodensee-Anrainer-Kantonen.

„Ich kann Dinge ohnegleichen, ich kann jagen, schießen, schwimmen, ich kann alle Ritterschaft, ich kann werfen, rennen, klimmen, ich besitze List und Kraft.“ Burkhard von Hohenfels, der wohl zwischen 1212 und 1242 lebte, beschreibt sich mit diesen Worten selbst. Er war Minnesänger und hatte seine Burg hoch über dem Nordufer des Überlinger Sees. 18 Minnelieder sind von ihm in der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse) aus dem Mittelalter überliefert. Der frühere Konstanzer Stadtarchivar Otto Feger bezeichnet ihn als den „wohl originellsten Minnesänger“: „Seine Gedichte heben sich weit über das Durchschnittsniveau der ritterlichen Versschmiede hinaus.“ In seinem dreibändigen Werk „Geschichte des Bodenseeraumes“ aus den 1970er- und 1980er-Jahren, das im Bestand des Dokus ist, berichtet Feger beispielsweise auch über einen Überfall auf die Stadt Lindau im Jahr 1462. „Der österreichische Hauptmann Battista von Schönstein versuchte eine Anzahl von bewaffneten Kriegern heimlich in die Stadt Lindau zu bringen und sie dann zu überfallen. Das Unternehmen wurde rechtzeitig entdeckt, die Tore gesperrt“, schreibt der frühere, mittlerweile verstorbene Leiter des Konstanzer Stadtarchivs. 80 Kriegsknechte, die als Erkennungszeichen Eichenblätter getragen hätten, seien gefangengenommen, aber bald wieder freigelassen worden. Ihr Hauptmann sei ins reichsfreie Frauenkloster geflüchtet – „so berichtet wenigstens die spätere Tradition“, heißt es bei Feger. Wie lange der Hauptmann dort blieb und was er dort gemacht hat, bleibt offen.

Auch Informationen über „Die Spediteure der Vergangenheit“, die Säumer und Fuhrleute, gibt es im gleichnamigen Buch im Doku von Oliver Benvenuti, erschienen 1998. Als Säumer werden Menschen bezeichnet, die auf dem Rücken von Lasttieren, auch Saumtieren genannt, Lasten über das Gebirge transportierten. Oft hätten die Säumer unter Lebensgefahr gearbeitet. So sei es vorgekommen, „dass ein Tier unrettbar in den Abgrund gerissen wurde“. „Der Spruch ,Werf ned um!‘ (Wirf nicht um!) zeugt von solch tragischen Ereignissen beim Säumen“, erklärt der Autor. Im Bregenzerwald verwendeten alte Leute diesen Abschiedsgruß und wünschten damit eine sichere Fahrt beziehungsweise einen problemlosen Weg von A nach B.

Dass es zwischen Schweizer und Schwaben Unterschiede gegeben hat, impliziert der Titel eines Werkes von Helmut Maurer, bis 2001 Leiter des Konstanzer Stadtarchivs: „Schweizer und Schwaben – Ihre Begegnung und ihr Auseinanderleben am Bodensee im Spätmittelalter“. Die Entstehungsgeschichte für sein Buch beschreibt der Autor folgendermaßen: 1981 habe der damalige Präsident des Schaffhauser Wirtevereins mit einem „kurzen, aber inhaltsschweren Beitrag in einer der örtlichen Tageszeitungen eine höchst lebhafte Diskussion“ entfacht. Er zitiert den Präsidenten mit den Worten: „Seit ich mich in Schaffhausen niedergelassen habe, kann ich nicht verstehen, warum so viele Schaffhauser unsere nördlichen Nachbarn, die Bürger aus der Bundesrepublik Deutschland, dermaßen abschätzig behandeln. ,Sauschwob‘ ist eine oft gehörte Titulierung. Fragt man jemanden nach dem Grund für diese geschmacklose Benennung, so erhält man nie eine plausible Begründung.“ Der Autor geht dem auf den Grund – nicht ohne ein Pendant zu „Sauschwob“ zu nennen: „Kuhschwizer“.

Dass Dirndl seit Jahren wieder salonfähig sind, kann man nicht nur beim Münchner Oktoberfest sehen. „Ware Dirndl – Austrian Look von Franz M. Rhomberg“ lautet der Titel einer Firmenschrift die es ebenfalls im Doku gibt. Marketing-Strategien wie das Signet der „echten“ Tracht, modischer Wandel und politische Vereinnahmungen dieses Kleidungsstücks ziehen hier ebenso in den Bann wie Mode-Fotografien aus den 1940er- und 1950er-Jahre bis hinein in die 1970er.

„Wir freuen uns über den großen Bestand an Schriften und Büchern aus der Region in unserem Heimatkundlichen Dokumentationszentrum“, sagt Landrat Elmar Stegmann. „Dort ist die Geschichte nicht nur bewahrt, sondern sie wird immer wieder lebendig.“

Info: Von Nachlässen bis hin zu mehr als 5000 heimatkundlichen und geschichtlichen Büchern und Zeitschriften: Das Heimatkundliche Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau in Weiler im Allgäu bewahrt Schätze der historischen und heimatkundlichen Forschung. Dazu gehören Kreis- und ortsgeschichtliche Sammlungen, Festschriften, Fotos, Ansichtskarten, historische und topografische Karten und Pläne, Zeitungsbände des Westallgäuers und Vorläufers ab 1854, Amts- und Regierungsblätter (ab 1803) sowie Gesetz- und Verordnungsblätter (ab 1818), Nachlässe von Heimatforschern und eine Kunstsicherungskartei mit fotografischen Bestandsaufnahmen sowie Beschreibung von Kircheninventaren.

Wer Interesse an Heimatgeschichte hat oder Möglichkeiten zum Recherchieren sucht, ist dort willkommen und kann per E-Mail (hdz@landkreis-lindau.de) einen Termin vereinbaren oder den kostenlosen Newsletter abonnieren. Damit informiert das Heimatkundliche Dokumentationszentrum über Interessantes und Neuerwerbungen.