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30.05.2025

Kuratorium Sicheres Allgäu ehrt mutige Menschen +++ Zivilcourage verdient nicht nur Dank - sie verdient unsere ganze Aufmerksamkeit!

In den Räumen der AOK Kaufbeuren-Ostallgäu fand die feierliche Ehrungsveranstaltung des Kuratoriums Sicheres Allgäu (KSA) statt. Im Mittelpunkt standen Menschen, die nicht weggesehen, sondern in kritischen Momenten Verantwortung übernommen und durch ihr couragiertes Handeln anderen geholfen haben. Eröffnet wurde der Abend mit musikalischer Begleitung durch die Polizeimusik Vorarlberg, die unter Leitung von Kapellmeister Christian Tschütscher für einen festlichen Auftakt sorgte.

Der Präsident des Kuratoriums, Landrat Elmar Stegmann (Lindau), begrüßte die Gäste und stellte in seiner Ansprache die besondere Bedeutung von Zivilcourage in den Mittelpunkt:

„Zivilcourage ist keine Frage der Stärke, sondern der Haltung. Ich bin dankbar, dass wir heute Menschen auszeichnen dürfen, die Mut gezeigt haben – für andere, für unsere Werte, für unsere Gesellschaft.“

Für einen unterhaltsamen und zugleich nachdenklich stimmenden Höhepunkt des Abends sorgte Kabarettist Wolfgang Krebs, der in seiner Paraderolle als „Ministerpräsident Edmund Stoiber“ mit spitzem Humor, feiner Beobachtungsgabe und großer Bühnenpräsenz glänzte. Er bewies dabei einmal mehr sein Talent, auch ernste Themen mit einem Augenzwinkern anzusprechen – stets wertschätzend und mit Tiefgang.

Die Geehrten erhielten als Zeichen der Anerkennung eine Urkunde, eine Goldmünze – gestiftet von den Sparkassen Allgäu und Schwaben-Bodensee – sowie eine Einladung zu einer exklusiven Fahrt mit dem Polizeiboot „Hecht“ auf dem Bodensee.

Unter den zahlreichen Gästen fanden sich prominente Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Polizei und Justiz. Neben dem Oberbürgermeister der Stadt Kaufbeuren, Stefan Bosse, war auch sein Memminger Amtskollege Jan Rothenbacher anwesend sowie die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller. Ebenso gratulierten der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Alexander Hold, die Präsidentin des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, Dr. Claudia Strößner, sowie weitere Ehrengäste den Ausgezeichneten persönlich.

Geehrt wurden an diesem Abend folgende Menschen:

Versuchter Callcenter-Betrug in Lauchdorf vereitelt – Polizei nimmt Tatverdächtige fest
Angelika Hänseler aus dem Landkreis Ostallgäu geriet im September letzten Jahres an Callcenter-Betrüger. Dank ihres couragierten Handelns konnte eine Tatverdächtige noch am selben Tag festgenommen werden.
Was passierte genau? Gegen 15 Uhr erhielt Angelika Hänseler einen Anruf von einer angeblichen Polizeibeamtin, die ihr mitteilte, ihre Tochter habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und sitze nun in Untersuchungshaft. Nur durch die Zahlung einer Kaution in Höhe von 65.000 Euro könne sie eine Gefängnisstrafe abwenden. Frau Hänseler reagierte geistesgegenwärtig: Sie wählte heimlich den Polizeinotruf – sprach aber nicht, so dass die echte Polizei das Gespräch mitverfolgen konnte. In dem über zwei Stunden andauernden Telefonat spielte sie gegenüber den Betrügern mit, um Zeit zu gewinnen. Sie übermittelte sogar eine bewusst verfälschte Ausweisnummer.
Die angebliche Geldabholung sollte gegen 17 Uhr auf dem Friedhof in Lauchdorf stattfinden. Dort konnte eine mutmaßliche Abholerin von Zivilkräften der Polizei widerstandslos festgenommen werden. Auch während dieser Zeit blieb der Notruf aktiv, wodurch die Polizei das Geschehen lückenlos überwachen konnte.
Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Angelika Hänseler und der Polizei konnte ein schwerer Betrug verhindert und eine Tatverdächtige festgenommen werden.

Verdächtiger mutmaßlicher Geldabholer nach Schockanruf in Memmingen festgenommen
Im nächsten Fall hat ein aufmerksamer Taxifahrer entscheidend zur Aufklärung eines möglichen Callcenter-Betrugs beigetragen. Dank seines Hinweises konnte ein Tatverdächtiger festgenommen werden.
Gegen 17 Uhr am 14. November 2024 informierte der Taxifahrer Patrick Friedrich die Polizei darüber, dass er eine verdächtige Person vom Memminger Bahnhof in ein Wohnviertel gebracht habe. Vor Ort sollte der Mann offenbar jemanden treffen, kehrte aber kurz darauf unverrichteter Dinge zurück und bat um die Rückfahrt zum Bahnhof.
Dem Fahrer fiel auf, dass der Fahrgast während der Hinfahrt wiederholt über ein Handy mit unbekannten Personen kommunizierte und sich auffällig verhielt. Als er sah, dass der Mann ein Haus betrat und nach wenigen Minuten wieder verließ, informierte er die Polizei.
Gemeinsam mit Unterstützungskräften gelang es der Polizei, den Verdächtigen noch im Taxi festzunehmen. Bei ihm wurden zwei Mobiltelefone sowie 1.050 Euro in bar sichergestellt. Erste Auswertungen der Handys führten die Ermittler auf mehrere Adressen sowie konkrete Hinweise auf einen möglichen Callcenter-Betrug. Es besteht der Verdacht, dass der Mann als sogenannter Geldabholer im Auftrag von Betrügern handelte.
Zusätzlich wurde ein Schlüssel zu einem Schließfach am Hauptbahnhof in Augsburg bei dem Tatverdächtigen gefunden. Die weiteren Ermittlungen ergaben Hinweise auf einen sogenannten „Schockanruf“ – eine verbreitete Betrugsmasche, bei der Opfer durch dramatische Notlügen unter Druck gesetzt und zur Übergabe von Geld gebracht werden.

Zivilcourage verhindert mögliches Unglück – 17-Jährige in Kempten vor Sprung in die Iller bewahrt
Hanspeter Gschwendt und Christina Bayer haben verhindert, dass eine 17-jährige Jugendliche in die Iller gesprungen ist. Durch ihr schnelles Eingreifen und ihren Mut konnte womöglich Schlimmeres verhindert werden.
Gegen 19 Uhr beobachteten die Zeugen die Jugendliche unter einer Fußgängerbrücke an der Iller. Die Stelle ist besonders gefährlich: Das Ufer ist rutschig und steil, das Wasser an dieser Stelle tief und die Strömung stark. Das Wasser war an dem Tag nur etwa 10 Grad kalt.
Die Jugendliche war zuvor aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie als vermisst gemeldet worden. Frau Bayer und Herr Gschwendt reagierten sofort, setzten einen Notruf ab und begaben sich anschließend selbst an das Ufer, um beruhigend auf das Mädchen einzuwirken. Es gelang ihnen, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, bis die Einsatzkräfte eintrafen.
Die Polizei würdigt das Verhalten als herausragendes Beispiel für Zivilcourage. Das überlegte und entschlossene Handeln hat in einer sehr gefährlichen Situation womöglich ein Menschenleben gerettet.

Mutmaßlicher Einmietbetrüger in Kaufbeuren festgenommen – Klosterschwester verhindert Flucht
Dank des besonnenen Handelns einer Klosterschwester konnte ein mutmaßlicher Betrüger im Creszentia-Kloster Kaufbeuren festgenommen werden. Der Mann steht im Verdacht, bundesweit in mehreren Fällen sogenannte Einmietbetrügereien begangen zu haben.
Im Oktober hatte sich der Mann gemeinsam mit einer angeblichen Ehefrau im Kloster eingemietet. Die Begleitung wurde jedoch während des gesamten Aufenthalts nicht gesehen. Stattdessen wurde der Mann mehrfach unbefugt in anderen Gästezimmern des Klosters angetroffen. Hinweise auf Diebstähle lagen zu dem Zeitpunkt nicht vor, dennoch wurde sein Aufenthalt daraufhin beendet.
Trotz des ausgesprochenen Hausverbots erschien der Mann kurz darauf erneut auf dem Klostergelände. Die engagierte Ordensschwester Ursula Maria Gruber erkannte ihn sofort wieder und hielt ihn mehr als 30 Minuten in einem Gespräch bis eine Streife der Polizeiinspektion Kaufbeuren eintraf und den Mann vorläufig festnahm.
Der Tatverdächtige ist etwa 1,90 Meter groß und wiegt geschätzt rund 120 Kilogramm. Ihm konnten mittlerweile insgesamt zwölf Fälle von Einmietbetrug zugeordnet werden.
Die Polizei lobt ausdrücklich das überlegte Handeln der Klosterschwester, das zur Festnahme beigetragen hat. Schwester Ursula konnte an der Ehrungsveranstaltung leider nicht persönlich teilnehmen. Stellvertretend hat Oberin Schwester Johanna Maria Höldrich die Ehrung entgegen genommen.  

Drei Jugendliche aus Marktoberdorf retten 84-jährigen Mann aus Paniksituation im Kuhstallweiher
Mut und schnelle Reaktion haben am Abend des 26. Juli 2024 einem 84-jährigen Schwimmer im Kuhstallweiher das Leben gerettet. Der Mann geriet beim Schwimmen etwa 40 Meter vom Ufer entfernt in Panik, weil er sich mit seinen Füßen in Wasserpflanzen verfangen hatte. Drei Jugendliche, die den Hilferuf bemerkten, reagierten sofort. Sie holten einen am Ufer bereitliegenden Rettungsring und eilten dem Mann zu Hilfe.
Gemeinsam gelang es Niklas Thuy, Clemens Hampp und Tobias Opitsch, den 84-Jährigen sicher ans Ufer zu bringen. Glücklicherweise blieb er dabei unverletzt.
Die Polizei bedankt sich herzlich bei den Jugendlichen für ihr beherztes und umsichtiges Handeln.
Tobias Opitsch konnte zeitlich an der Ehrung leider nicht teilnehmen.

Versuchter Totschlag in Kempten – Täter nach schwerer Körperverletzung festgenommen und verurteilt
In den frühen Morgenstunden des 8. Juni 2024 kam es gegen 0:30 Uhr zu einer schweren Gewalttat in Kempten. Ein Beschuldigter schlug bei einem Streit mit einem Mann mehrfach mit einem Metall-Fahrradschloss auf dessen Kopf, Rücken und linken Arm ein.
Zwei Zeugen vor Ort konnten durch Zurufe den Täter stoppen und alarmierten sofort die Polizei. Zudem filmten sie die Tat mit einem Handy. Der Täter flüchtete anschließend in Richtung Illerdamm, konnte aber dank vorheriger Ermittlungen schnell identifiziert werden.
Das Opfer erlitt schwere Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft hat die Tat als versuchten Totschlag eingestuft. Mittlerweile wurde der Täter rechtskräftig zu einer Haftstrafe verurteilt.
Die Polizei bedankt sich bei den Zeugen Adem Abda und Sadam Salih Mohammed, deren mutiges Eingreifen und Dokumentation zur schnellen Aufklärung der Tat beigetragen haben.

Über das Kuratorium Sicheres Allgäu e.V.
Das Kuratorium Sicheres Allgäu (KSA) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Förderung von Zivilcourage, Prävention und gelebter Verantwortung zu stärken. Im KSA engagieren sich Vertreterinnen und Vertreter aus Polizei, Justiz, Bildung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Der Verein ist gemeinnützig und zählt rund 100 Mitglieder.

Weitere Infos: Alle weiteren Informationen zum KSA gibt es unter 🌐 www.sicheres-allgaeu.de