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03.01.2019

Das Landratsamt informiert: Blauzungenkrankheit in Baden-Württemberg aufgetreten

Lindau (Bodensee) - Am 12. Dezember 2018 ist in einem Rinderbestand im Kreis Rastatt in Baden-Württemberg die Blauzungenkrankheit (BT) festgestellt worden. Es handelt sich um eine anzeigepflichtige Viruserkrankung der Wiederkäuer. Die zuständige Behörde in Baden-Württemberg hat umgehend die erforderlichen Sperrmaßnahmen ergriffen. Es wurde eine Restriktionszone mit einem Radius von 150 km eingerichtet, welche das gesamte Land Baden-Württemberg als auch das Saarland sowie Teile von Rheinland-Pfalz und Hessen umfasst. Aus dieser Zone dürfen lebende Wiederkäuer sowie Samen, Eizellen und Embryonen von diesen Tieren nicht oder nur unter Auflagen verbracht werden. Vor einem geplanten Verbringen aus den genannten Gebieten in den Landkreis Lindau ist die zuständige Veterinärbehörde des Herkunftsbetriebes zu kontaktieren, welche im Zweifelsfall auch klären kann, ob ein Betrieb in einer Restriktionszone liegt.

Die Impfung der Wiederkäuer bietet derzeit den einzigen effektiven Schutz vor klinischen Erscheinungen und einer Virusausbreitung und ist damit zu empfehlen. Die Verfügbarkeit des Impfstoffes ist derzeit allerdings begrenzt. Nach Auskunft des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft arbeiten die Impfstoffhersteller mit Hochdruck an der Bereitstellung weiteren Impfstoffs, allerdings ist erst Ende des ersten Quartals 2019 mit einer flächendeckenden Versorgung zu rechnen.

Bei Fragen können sich Landwirte an das Veterinäramt Lindau unter der Telefonnummer: 08382 270-502 wenden

Blauzungenkrankheit
Die Blauzungenkrankheit ist erstmals seit neun Jahren wieder in Deutschland präsent. Nachdem Deutschland in den Jahren 2006 bis 2009 von der Blauzungenkrankheit betroffen war, war es von 2012 bis Dezember 2018 offiziell frei von dieser Tierseuche.

Für die Blauzungenkrankheit empfänglich sind große und kleine Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen), aber auch Wildwiederkäuer und Neuweltkameliden. Das Virus wird nicht direkt von Tier zu Tier übertragen, sondern durch stechende Mücken der Gattung Culicoides (= Gnitzen). Daher tritt die BT saisonal verstärkt in der warmen Jahreszeit bei feuchtwarmem Wetter auf. Die Gnitzen fallen vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung Tiere im offenen Gelände an.

Typische klinische Symptome sind meist nur beim Schaf zu finden. Sie zeigen ca. 7-8 Tage nach der Infektion die ersten Anzeichen einer akuten Erkrankung: erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge schwillt an und kann aus dem Maul hängen. Die namensgebende Verfärbung der Zunge ist sehr selten und nur bei hoch-empfänglichen Schafrassen zu erwarten. An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Schafe können lahmen und bei tragenden Tieren kann die Krankheit zum Abort führen.

Bei Rindern verläuft die Erkrankung meist inapperent. Die Symptome in schlimmeren Fällen sind Entzündungen der Zitzenhaut und Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese klinischen Erscheinungen ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Der Krankheitsverlauf kann grundsätzlich mild bis sehr schwerwiegend und mit hohen Verlusten einhergehend sein. Die Krankheit kann jedoch auch ausheilen. Anhand des klinischen Bildes kann keine sichere Diagnose gestellt werden. Sehr ähnliche Symptome werden auch durch andere virale Infektionserreger verursacht wie u. a. das Maul- und Klauenseuche-Virus. Das BT-Virus wird im Blut nachgewiesen.

Für den Menschen und für Nicht-Wiederkäuer ist die Blauzungenkrankheit nicht gefährlich. Fleisch- und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.