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28.09.2020

"Draußen umgeschaut" - Oktober/November 2020 - Der Portulak

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Oktober/November 2020 – Der Portulak

Vor dem ersten Nachtfrösten kann man in den Siedlungen rund um den Bodensee eine etwas dickfleische Pflanze entdecken: den Portulak (Portulaca oleracea). Diese einjährige Pflanze gehört zu den weltweit verbreiteten Portulakgewächsen (Portulacaceae). Ihre fleischigen Blätter schützen sie vor Hitze und Austrocknen. Sie wächst niederliegend bis aufsteigend und wird bis 30 cm hoch. Der Stängel ist oft rot überlaufen. Die Blüten haben keinen Stängel und sind gelb gefärbt. Neben der Bestäubung durch Insekten kann sich der Portulak auch selbst bestäuben. 

Vom Portulak gibt es in Bayern mehrere Unterarten, die nur sehr schwierig voneinander zu unterscheiden sind. Bei uns hier im Bodenseeraum handelt es sich wohl um den Wilden Gemüse-Portulak (Portulaca oleracea subsp. oleracea). Diese Unterart ist frostempfindlich und kommt nur wärmebegünstigen Stromtälern und Orten der Tieflagen als vermutlich heimische Art vor. Bei uns hier in Landkreis kann man sie beispielsweise immer wieder an wenig betretenen Stellen der Kopfsteinpflaster auf der Lindauer Insel finden. Die Samen des Portulak werden hier gerne von den Haussperlingen gefressen. Sonst kommt der Portulak auf trockenen und sandigen Ruderalstellen, wie Wegrändern, Friedhöfen oder Bahnanlagen aber auch an Flussufern und nährstoffreicheren Hackfruchtkulturen vor.

Die ursprüngliche Heimat des Portulak ist Vorderasien. Die würzige Kulturform, der Gemüse-Portulak (Portulaca oleracea subsp. sativa) wird heute beispielswiese noch in Osteuropa angebaut und als vitaminreicher Bestandteil in der Küche z. B. im Salat verwendet. Der würzige Geschmack der Pflanze kommt von der Omega-3-Heptalinolsäure.

Der Landschafspflegeverband Lindau-Westallgäu ist ein gemeinnütziger Verein der sich der Erhaltung und Pflege unserer heimischen Kulturlandschaft und dem Artenschutz widmet. Der Vorstand setzt sich in „Drittelparität“ aus Vertretern der Kommunen, der Naturschutzverbände und der Landwirtschaft zusammen. So können gemeinsam und im Konsens Arbeiten i. S. des Naturschutzes mit den Landnutzern vor Ort durchgeführt werden. Sie finden die Geschäftsstelle des Landschaftspflegeverbandes im Landratsamt oder erreichen die Geschäftsführerin unter 08382-270381.

 

Quellen/Literatur:

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung, Bd. 1, IHW-Verlag, Eching

Düll R. & Kutzelnigg H. (2011): Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7. Auflage, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim

Jäger E. J. (Hrsg.) (2016): Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland  Gefäßpflanzen: Grundband, 21. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag

Spohn M., Aichele D., Golte-Bechtle M., Spohn R. (2008): Was blüht denn da?, 58. Auflage, Kosmos-Verlag, Stuttgart

Bayersicher Informationsknoten Botanik: http://daten.bayernflora.de/de/info_pflanzen.php?taxnr=4455&suchtext=&g=&de=&prev=prev

 

Text: Holger Bayer, Michaela Berghofer Foto: Michaela Berghofer