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23.10.2019

"Draußen umgeschaut" Oktober/November 2019 - Der Dreistachlige Stichling

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des Landschaftspflegeverband beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Im Herbst möchten wir den Dreistachligen Stichling (Gasterosteus aculeatus), eine aufstrebende Fischart im Bodensee, vorstellen. Der Dreistachlige Stichling ist auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet, wobei er im Bodensee und seinem Einzugsgebiet nicht beheimatet war. Er ist vermutlich über Schifffahrtskanäle in den Bodensee eingewandert und führte hier über 50 Jahre lang eine eher unauffällige Existenz. Erst seit den 2010er Jahren entwickelt sich die Art im Bodensee explosionsartig.

Dreistachelige Stichlinge, die in küstennahen Salz- und Brackwasserbereichen vorkommen, unternehmen alljährlich im Frühjahr eine Laichwanderung in die Flussmündungen hinauf. Die Stichlinge im Bodensee wandern zur Laichzeit lediglich aus den tieferen Bereichen des Bodensees in die kiesigen Flachwasserzonen. Mit Beginn der Laichzeit im März bilden die jetzt farbenprächtig rot gefärbten Männchen Territorien, die sie aggressiv gegenüber Eindringlingen verteidigen. Sie bauen über eine im Bodengrund angelegte Kuhle ein Nest aus Pflanzenteilen. Die Weibchen, die ganzjährig unscheinbar grau gefärbt sind, werden von den Männchen ins Nest gelockt, in das sie Eier zur Befruchtung ablegen. Nach der Eiablage wird das Weibchen aus dem Revier verjagt. Der Stichling lockt nach und nach mehrere Weibchen zur Eiablage an. Die Brutpflege und Aufzucht des Nachwuchses übernimmt das Männchen dann alleine.

Der Dreistachlige Stichling kann um die 7 cm lang werden. Nur bei drohender Gefahr oder der Revierverteidigung spreizt der Stichling seine namensgebenden Stacheln vom Körper ab. Der spindel- oder torpedoförmige Fisch bewegt sich überwiegend mit seinen großflächigen Brustflossen. Die Schwanzflosse kommt meist nur bei spontaner Flucht oder schwimmen gegen stärkere Strömung zum Einsatz. Außerhalb der Laichzeit leben die Stichlinge in losen Schwärmen und ernähren sich von wirbellosen Kleintieren aller Art, dem Zooplankton. Wie neue Untersuchungen zeigen, zählen auch Fischlaich und Fischbrut zu seinem Speiseplan. In einen nährstoffarmen See wie dem Bodensee kann die Ernährung mit Zooplankton zu einer Nahrungskonkurrenz mit fischereiwirtschaftlich bedeutenden Arten, wie beispielsweise dem Felchen, führen.

Quellen/Literatur:

Heintges, Süßwasserfische – Neunaugen, Fische, Krebse und Muscheln der Binnengewässer
Dußling, U. & Berg, R. (2001): Fische in Baden Württemberg. Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden- Württemberg, Stuttgart; 176 S.
Landesfischereiverband Bayern e. V.,2018: Der Stichling – Fisch des Jahres 2018
Gugele S., 2018: Der Stichling im Bodensee

Text: Holger Bayer /Foto: Holger Bayer