Direkt zu:

06.08.2019

"Draußen umgeschaut" August/September 2019 - Der Gemeine Bläuling

Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des Landschaftspflegeverband beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Dieses Mal wollen wir einen hübschen Vertreter der Tagfalter, den Gemeinen Bläuling (Polyommatus icarus) vorstellen. Der Falter wird auch Hauhechel-Bläuling genannt. Die Familie der Bläulinge (Lycaenidae), die mit über 40 verschiedenen Arten in Deutschland vorkommen, sind eher kleine Tagfalter. Man erkennt die Männchen ganz allgemein an einer bläulichen Färbung der Flügeloberseiten. Bei den Weibchen sind sie meist bräunlich gefärbt. In der Regel kann man die einzelnen Bläulings-Arten anhand einer spezifischen Punktierung und Färbung der Flügelunterseiten unterscheiden. Unser Hauhechel-Bläuling zeichnet sich durch eine orange gefärbte Binde an den Flügelrändern, einem weißen Flügelsaum und sogenannte Wurzelflecken auf den Vorderflügeln aus.

Der Gemeine Bläuling ist in Bayern und so auch im Landkreis Lindau der häufigste Vertreter dieser Familie, denn er ist ein ökologischer Generalist, der ein breites Spektrum an trockenen bis feuchten Lebensräumen besiedeln kann. So ist er beispielsweise auf extensiv genutztem Grünland, auf Fett- und Magerweiden, Straßen-, Weg- und Waldrändern, in Parks oder auf extensiv genutzten Grünflächen im Siedlungsbereich zu finden. Ungeeignet ist auch für ihn das heute weit verbreitete vielschürige und gedüngte Wirtschaftsgrünland, das den meisten Insekten keinen Lebensraum mehr bieten kann. Der Gemeine Bläuling gilt in Bayern noch als ungefährdet. Doch steht mittlerweile der überwiegende Teil der heimischen Tagfalter auf der Roten Liste: von 169 in Bayern bewerteten Arten sind derzeit 100, also 59%, als gefährdet eingestuft.

Der Gemeine Bläuling fliegt in zwei bis maximal drei Generationen von Mai bis in den Oktober hinein. Bei kühleren Lufttemperaturen nutzen die Männchen Ansitzwarten für die Partnerfindung. Bei höheren Temperaturen erfolgt die Partnersuche im Flug. Die Eier werden einzeln auf Blätter oder in Blütenköpfe abgelegt. Wichtige Eiablagepflanzen sind Leguminosen wie Hopfen-Schneckenklee (Medicago lopulina), Dorniger oder Kriechender Hauhechel (Ononis spinosa agg., O. repens). Besonders gern wird der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus) aufgesucht. Die Raupen ernähren sich ausschließlich von Blättern. Zur Verpuppung ziehen sie sich dann bodennah in die Streuschicht zurück.

Um den Gemeinen Bläuling weiterhin als häufigen Tagfalter bei uns zu erhalten, sollten beispielweise extensiv genutztes Grünland und blütenreiche Böschungen erhalten und im eigenen Garten auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet werden.

Quellen/Literatur:
Bräu, M., Bolz, R., Kolbeck, H., Nummer, A., Voith, J., Wolf, W. (2013): Tagfalter in Bayern, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Stettmer, Ch., Bräu M., Gros P., Wanninger O. (2007): Die Tagfalter Bayers und Österreichs, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (Hrsg.)

Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.) (2016): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Lepidoptera: Rhopalocera) Bayerns - Stand 2016

http://www.tagfalter-monitoring.de/

Text und Foto: Holger Bayer & Michaela Berghofer